Wie die Erkenntnis, daß alles mit allem verbunden ist,

unser Leben verändert




Sehr geehrte Damen und Herren,


ich begrüße Sie zum Vortrag „Das Prinzip der Einheit. Wie die Erkenntnis, daß alles mit allem verbunden ist, unser Leben verändert.“


Um Ihnen das Prinzip der Einheit, das vielen Menschen neu ist, verständlich zu machen, werde ich zunächst über das althergebrachte, zur Zeit noch dominierende Prinzip der Dualität, der Zweipoligkeit sprechen. Denn es ist wichtig, das Alte zu kennen, damit man versteht, warum es das Neue braucht und was das Neue vom Alten unterscheidet.

Danach werde ich ausführlich darauf eingehen, was das Prinzip der Einheit eigentlich ist, um dann mit Ihnen gemeinsam die verschiedenen Lebensbereiche zu beleuchten, in denen das Prinzip der Einheit bedeutende Veränderungen auslöst, wenn es denn angewandt wird.


Zum Schluß werde ich Ihnen einige Werkzeuge an die Hand geben, damit Sie, wenn Sie es wollen, das Prinzip der Einheit in Ihrem Alltag mit Erfolg anwenden können.


Zunächst also die Ausgangslage:


Wir leben in einer Welt der Dualität, in einer Welt der Gegenstände und Gegensätze.

Das Bewußtsein der Dualität, der Zweipoligkeit, hat seinen Sitz im Gehirn. Das Gehirn muß trennen und unterscheiden, um seine wertvolle Funktion des Denkens erfüllen zu können. Deshalb hat das Gehirn auch zwei Hälften. Mit dem einem Bein stehen wir links, mit dem anderen rechts. Es ist ein dauerndes Hin und Her.

Jeder Mensch empfindet sich zunächst einmal getrennt von allem anderen. Hier, der Körper, das bin ich. Das andere und die anderen sind außerhalb von mir, das bin ich nicht, das steht mir gegenüber. Nur so läßt sich die Welt erfahren. Wir betrachten sie von außen und nehmen sie als etwas von uns Getrenntes wahr.

Das ist gut so und hat seinen Sinn. Wenn wir alle in der Ursuppe geblieben wären, würden wir von dieser Welt und ihren belebenden Kontrasten nichts wissen.

Es ist schön, ein Gegenüber zu haben. Zum einen gibt es immer auch das andere. Wer möchte das Spiel der Geschlechter missen, wer den Wechsel von Tag und Nacht, von Regen und Sonnenschein, von Tätigkeit und Ruhe,  wer den Weg vom Hier zum Dort, wer das Auf und Ab, das Hin und Her, Hunger und das gute Mahl, Durst und den kühlen Trunk. In jeder Lebensäußerung thront die Dualität, das Prinzip der Zweiheit, als treibende Kraft. Wärme und Kälte, wie schön! Kein Atemzug ohne den Wechsel zwischen rein und raus, kein Herzschlag ohne Spannung und Entspannung, ohne Füllung und Austreibung. Kein Genuß, keine Lust ohne Austausch mit einem Gegenüber. Nehmen und Geben in dauerndem Wechsel, das ist Leben.


Es gibt allerdings eine Kehrseite. Das bringt die Welt der Dualität so mit sich. Zum Guten gibt es immer auch das Böse.

  Zum oben das unten. Zur Fülle den Mangel. Zum Alten gibt es das Junge und zum Früher das Später. Das zwingt uns dauernd zum Urteil über das da draußen. Ist es gut oder schlecht, Freund oder Feind, wollen wir das oder lieber nicht, ist das in Ordnung oder nicht. Soll ich es so machen oder lieber so. Was ist richtig, was ist falsch?

Damit ist der Zweifel geboren, der auch den Menschen selbst betrifft.

Ist man selbst so in Ordnung wie man ist oder nicht?

Und die anderen erst! Da wird man ja wohl seine Zweifel haben dürfen, ob die so richtig sind, wie sie sind. Du meine Güte! Wenn ich da an meinen Nachbarn denke.

Es gibt ja ganz angenehme Gegenüber, bei denen man die Trennwände überwinden will und sich sogar in durchaus lustvoller Weise vereint.

Manchmal aber ist das mit dem Gegenüber nicht so einfach, wenn es einem z. B. weh tut oder im Extremfall erschießen will. Tja, dann hat man erst mal ein Problem. Wie geht man mit solch einem Gegenüber um? Die normale Reaktion in der Welt der Dualität ist Schuldzuweisung und Kampf.

Schuldzuweisungen haben den Vorteil, daß man erst mal selbst aus dem Schneider ist, weil ja der andere schuld ist.

Auch hat die eigene Wut jetzt ein schönes Ziel, den anderen nämlich, das Gegenüber. Sich über jemanden zu ärgern fühlt sich manchmal richtig gut an.

Leider haben die Schuldzuweisungen einen Nachteil und der ist gar nicht so klein. Sie lösen das Problem nämlich nicht, aus dem einfachen Grund, weil sie meistens nicht stimmen. Denn man hat an den eigenen Problemen immer auch einen eigenen Anteil. Aber dazu kommen wir später.


Halten wir fest. Wir haben in der Welt ein Gegenüber, empfinden uns getrennt von ihr und haben dadurch Gelegenheit, die Welt und uns im Kontakt mit ihr näher kennenzulernen.

Warum Sie sich selbst und die Welt besser kennenlernen sollen, kann ich Ihnen nicht sagen. Daß aber der Mensch im Laufe seines Lebens eine Entwicklung durchmacht, ist offensichtlich. Wenn man die letzten paar Tausend Jahre anschaut, hat man auch den Eindruck, daß die Menschheit insgesamt eine Entwicklung durchmacht. Die Frage ist nur in welche Richtung.


Wenn es schon eine Entwicklung gibt, lohnt sich vielleicht, genauer hinzuschauen, wohin die Reise gehen soll.

Der ideale Entwicklungsweg des einzelnen Menschen verläuft vom unwissenden Kind zur Meisterschaft des weisen Alten. Dabei geht es vor allem um Bewußtseinserweiterung. Zum Schluß sollte man mehr wissen als vorher. Idealerweise! Dafür gibt es offenbar Beispiele. Grundsätzlich steht dieser Weg jedem Menschen offen. Wissen alleine reicht zur Weisheit allerdings nicht aus. Man muß dieses Wissen auch anwenden, also ein paar Sachen anders machen als zuvor.

Wenn man dieses Kritierium auf die Entwicklung der Menschheit insgesamt anwendet, sieht es derzeit nicht so gut aus. Änderung des Verhaltens? Fehlanzeige!

Oder haben Sie den Eindruck, daß die Menschheit in den letzten 3000 Jahren weiser geworden ist? Krieg und Vertreibung an so vielen Orten, Mord und Totschlag. Ein Finanzsystem das diejenigen ausbeutet, die wenig haben und den Reichtum dieser Welt bei einigen Wenigen ansammelt, die schon mehr als genug haben. Der Raubbau an der Erde, der immer noch weiter vorangetrieben wird, obwohl bereits jedes Kind weiß, daß es so nicht funktionieren kann.


Wie läßt sich das erklären? Wieso lernt die Menschheit nichts aus dem, was sie schon weiß. Vielleicht ist die Menschheit noch zu jung, noch in ihren Flegeljahren. Es geht noch ums Haben, nicht ums Sein. Das Materielle und die Angst vor Verlust steht noch im Vordergrund. Im Grunde geht es also um Sicherheit.

Sicherheit aber ist im Bewußtsein der Dualität, der Zweiheit, grundsätzlich nicht erreichbar. Denn in der Gedankenwelt der Trennung wird das Gegenüber als abgetrenntes, potentiell feindliches Wesen gesehen, gegen das man sich schützen und wehren muß. In letzter Konsequenz, das ist der starke Glaube, wird der Andere einen bestehlen, unterdrücken und ermorden. Es sei denn, man ist stärker, schneller und intelligenter.

Das kleine Menschen-Ich, das sich mit dem Gedanken der Trennung bildet, hat nur den eigenen Vorteil, das eigenen Überleben, das eigene Wohlbefinden im Sinn. Was mit den anderen ist, ist erstmal zweitrangig, eigentlich ganz und gar egal. Hauptsache der andere wird nicht stark, wird nicht zur Bedrohung. Die Machtfrage ist gestellt.

Irgendwann liegt der Gedanke nahe, den anderen zuerst anzugreifen, frei nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung, Krieg die beste Art, den Frieden zu bewahren. Der dauerhafte Frieden ist im Denksystem der Trennung dann erreicht, wenn alle möglichen Feinde ausgeschaltet und unterjocht sind. Das erklärte Ziel ist die Weltherrschaft, die Bündelung aller Macht und Kontrolle in einer Hand. Erst dann, meint man, sei die eigenen Sicherheit gewährleistet.

Doch dieses Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt. Im Denksystem der Trennung gibt es keine Sicherheit. Wie aus dem Nichts erstehen immer neue Feinde und Bedrohungen. Das Denksystem der Trennung schafft sich die Feinde selbst, indem sie jeden und jedes als potentielle Bedrohung wahrnimmt. Die Überzeugung ist: das Böse ist in der Welt. Es tritt mir immer im Anderen gegenüber. Das Böse muß durch das Gute bekämpft werden. Das Gute ist immer in mir oder in uns. Die anderen sind die Bösen.

Das Denksystem der Trennung ist ein in sich geschlossenes System, das sich immer wieder selbst bestätigt. Ich erlebe das, was ich erwarte.

Dumm gelaufen! Da lebt man in einer schönen Welt und ist dabei, sie zu zerstören. Da lebt man mit anderen Menschen auf der Erde und hat das Gefühl, man muß die anderen dauernd bekämpfen und sich um seine Sicherheit sorgen. Es könnte so schön sein, ist es aber nicht.


Soweit die Ausgangslage. Das Denksystem der Dualität stößt an seine Grenzen. Offenbar ist es nicht wirklich ein Erfolgsmodell.

Aber wir haben eine echte Alternative: Das Prinzip der Einheit. Im Bewußtsein der Einheit nämlich wird Trennung als Illusion entlarvt. In tiefster Wahrheit gibt es keine Trennung. Alles ist mit allem verbunden und bildet mit all den anderen Teilen ein großes Ganzes.


Das Bewußtsein der Einheit hat seinen Sitz im Herzen, über dessen elektromagnetisches Feld wir mit dem Magnetfeld der Erde und allem anderen in Verbindung stehen.

Im Bewußtsein der Einheit gibt es keinen Mangel. Man trennt nicht mehr zwischen dem, was man hat und dem, was man nicht hat. Da Sie mit allem verbunden sind, haben Sie definitionsgemäß immer alles, was Sie im Moment brauchen. Das wird auch in jedem Moment der Zukunft so sein. Deshalb sind Zukunftsängste im Bewußtsein der Einheit unnötig.

Es gibt auch keine Gefahr. Sie sind mit allem verbunden und deshalb in Sicherheit. Es gibt niemanden, der Sie bedrohen könnte, denn Sie sind mit allem eins, sind also in letzter Konsequenz auch immer der andere.  Warum sollten Sie sich selbst bedrohen?

Sie sind auch die Luft, die Sie atmen, die Nahrung, die Sie essen, die Erde, aus der Sie geboren wurden, der Geist, der Sie erfüllt. Auf dieser hohen philosophischen Ebene gibt es keine Trennung.

Aber wie kann das sein? Wir sehen doch, daß der Tisch dort von uns getrennt ist, und auch der Mensch dort ein anderer ist als wir? Wenn es die Einheit wirklich gibt, dann müßte sie sich zum einen erfahren und zum anderen auch beweisen lassen.


Sehen wir, was die Wissenschaft dazu sagt.

Die Wissenschaft arbeitet mit Beweisen, die keiner widerlegen kann, und die deshalb jeder anerkennen muß. Eigentlich!

Die physikalische Forschung, die die Welt der Gegenstände erforscht, hat herausgefunden und bewiesen, daß der Gegenstand an sich eine Illusion ist. Ein Tisch, eine Hand, ein Auto soll eine Illusion sein, eine reine Einbildung? Genau das!

Die Quantenphysik hat in den letzten Jahrzehnten die Materie bis ins Kleinste aufgeschlüsselt und gesehen, daß letztendlich nichts übrigbleibt als Energie und leerer Raum. Der Quantenphysiker Prof. Hans-Peter Dürr drückte es so aus:


„Im Grunde gibt es Materie gar nicht. Es gibt nur ein Beziehungsgefüge ... Primär existiert nur Energie und Zusammenhang, das Verbindende ohne materielle Grundlage.“


Video Prof. Dürr: https://www.youtube.com/watch?v=rT6ekqvt42k


Dann wäre die Materie, das Gegenständliche, also alle Welt, die wir wahrnehmen, nur Energie und Verbindung. Auch wir wären also bloße Energie und stünden mit allem um uns herum in Verbindung. Es hätte alles auch mit uns zu tun. Wir wären ein Teil eines großen Beziehungsgefüges.

Wenn wir die Beweise der Quantenphysik anerkennen, und es gibt keinen Grund das nicht zu tun, dann wären wir das nicht nur, sondern dann sind wir es. Im Grunde unseres Seins sind wir nichts anderes als ein Teil eines großen Beziehungsgefüges. Von Trennung keine Spur. Nur das Verbindende existiert.


Diese Aussage deckt sich mit den Vorstellungen der alten Weisen, die sagen, daß es die Welt da draußen gar nicht gibt, daß sie nur eine Spiegelung der Seele des Menschen ist, man sich also immer nur selbst betrachtet. Alles, was Sie erleben, ist nur eine Spiegelung Ihrer selbst.


Wenn das seit langem eine wissenschaftlich physikalisch bewiesene Tatsache ist, warum haben wir dann bisher nichts davon gewußt?

Ich finde das eine gute Frage. Warum will der Mensch nicht wissen, was er schon weiß?

Es ist offenbar nicht leicht, ein altes Weltbild aufzugeben und die Welt völlig neu anzuschauen. In der Geschichte gibt es dafür eindrückliche Beispiele. Galileo Galilei, der der Lehre des Kopernikus anhing, daß die Erde keine Scheibe sondern ein Kugel ist und sich wie andere Planeten um die Sonne dreht, mußte dieser Lehre abschwören, um dem Scheiterhaufen zu entgehen. Die Erde und damit die Menschheit sollte plötzlich nicht mehr das Zentrum der Welt sein, ein unwichtiges Staubkorn in einem unendlichen Universum? Gott war plötzlich nicht mehr im Himmel über den Wolken zu finden. Das konnte und durfte nicht sein.


Die Entdeckungen der Quantenphysik bedeuten heute einen ähnlichen Quantensprung im Verständnis der Welt wie damals die Entdeckungen des Kopernikus. Auch sie stellen unsere bisherigen Vorstellungen auf den Kopf. Die Welt soll uns nicht mehr gegenüber stehen? Wir sollen auf das Engste energetisch mit ihr verbunden sein, mit ihr sogar eine Einheit bilden? Über wen sollen wir uns dann noch ärgern! Nein, das kann und darf nicht sein.

Wo kommt man denn hin, wenn man an dieser Stelle weiterdenkt? Materie gibt es doch überall, auch in den entferntesten Galaxien, deren Licht uns nicht einmal erreicht. Auch mit diesen Welten sollen wir innerlich verbunden sein, über all die Entfernung, über all die Zeiten hinweg? Zum Schluß unterliegen wir noch irgendwelchen Einflüssen aus dem Kosmos, von denen wir gar nichts wissen und die wir vor allem nicht beeinflussen können. Was haben dann unser ganzes Streben nach Macht und Kontrolle und unsere wohl überlegten Entscheidungen noch für einen Sinn? Nein, das kann nicht sein.


Wenn es aber bewiesen ist? Vielleicht wäre es ganz interessant, zu bedenken, was es für uns bedeuten würde, wenn es tatsächlich so wäre.


Genau damit habe ich mich in den letzten Jahren beschäftigt. Ich wollte wissen, ob es einen Vorteil bringt, dieser bewiesenen Tatsache ins Auge zu blicken.

Dazu habe ich dem Kind erst mal einen Namen gegeben: „Das Prinzip der Einheit. Die Tatsache, daß alles mit allem verbunden ist.“


Was nützt uns nun diese Einsicht, was nützt uns das Prinzip der Einheit? Können wir unsere Probleme besser lösen? Können wir am Ende damit besser leben?


Schauen wir uns daraufhin die verschiedenen Lebensbereichen näher an:

Beginnen wir mit dem persönlichen Bereich, den Situationen, gegen die wir uns normalerweise am heftigsten wehren, den unliebsamen Ereignissen. Alle Ereignisse gehören zur Einheit, sonst würden sie nicht geschehen. Mit allem, was uns passiert, ob positiv oder negativ, sind wir verbunden. Die positiven Ereignisse sind erst mal kein Problem, die negativen schon.

Unliebsame Ereignissen kennt jeder, z. B. eine Kündigung, eine Trennung, ein Schmerz, eine Krankheit, ein Streit, also Vorkommnissen, die uns in kleinere oder größere Krisen stürzen.


    Krisen wollen wir normalerweise vermeiden. Wer will schon in eine Krise geraten? Keiner, schon gar nicht freiwillig. Doch im Bewußtsein der Einheit gehört auch die Krise dazu, weil alles dazugehört, ohne Ausnahme.

Jede Krise hat ihren Sinn. Sie möchte zur Weiterentwicklung des betroffenen Menschen beitragen. Die Entwicklung des Menschen geht grundsätzlich in zwei Phasen vor sich, einer allmählichen Entwicklung, in der man mit der Zeit immer mehr lernt, und einem sprunghaften Entwicklungsschub, einem Quantensprung, mit dem man plötzlich auf eine höhere Stufe katapultiert wird. Die Krise bereitet diesen Quantensprung vor. Jetzt wird man gezwungen hinzuschauen. Man kann sich nichts mehr vormachen. Man kann nicht mehr so tun, als wüßte man nicht.

Wir ziehen also die Krise an, damit sie uns weiterbringt. Unsere Seele die Hand im Spiel. Wir sind beteiligt. Wir sind Teil des Ganzen. Wir brauchen die Krise. Es hat keinen Sinn, sie als Feind zu betrachten und zu bekämpfen ... das wäre noch das Denksystem der Dualität.

Nein, man nimmt sie an, begrüßt sie als Chance ... das ist Denken der Einheit. Die Krise gehört zum menschlichen Leben dazu. Sie ist notwendig, wendet die Not der Stagnation. Sie bringt Neues.

In jedem unliebsamen Ereignis liegt eine Chance, die Sie brauchen. Denn es bringt Ihnen etwas, was Ihnen fehlt, was Ihnen zur Ganzheit fehlt, zeigt also Ihre Verbindung zu etwas bisher Unbekanntem oder Abgelehntem. Das gilt auch für jede Krankheit und jedes Körpersymptom. In der deutschen Sprache kommt das klar zum Ausdruck. Wir fragen: Was fehlt dir? Mit dem Wissen um das Prinzip der Einheit könnte man fragen: Mit welchem Teil der Ganzheit will Sie die Krankheit in Verbindung bringen? Wen oder was möchte sie Ihnen nahebringen?

Die Antworten auf diese Fragen sind ganz individuell. Bei jedem Kranken fehlt etwas anderes. Jede Krankheit hat ihre eigene Symbolsprache, transportiert ihre eigene Information. Das Prinzip der Einheit sagt: Nimm es an, bekämpf es nicht, sondern versteh die Botschaft. Dann wirst du vollständiger und gesünder.

In einer Symptomaufstellung können Sie die Botschaften Ihres Körpers und der gesamten Krise entschlüsseln.


Wie aber geht das vor sich? Wie funktioniert eine Systemaufstellung? Ich will Ihnen das in den Grundzügen kurz erklären:

Die Teile eines Systems, z. B. des Körpers werden in Bezug zum Klienten räumlich aufgestellt und mit Stellvertretern, z. B. Mitgliedern einer Therapiegruppe besetzt. In der Einzeltherapie übernehme ich diese Aufgabe, indem ich mich nacheinander in die verschiedenen Positionen stelle, um dort Informationen zu sammeln.

Denn sobald man sich als Stellvertreter an eine Systemposition stellt, beginnt man, die Befindlichkeit dessen, für den man steht, aufzunehmen und zu empfinden. Wie ein Radioempfänger empfängt man Informationen, die in der Luft liegen. Man nennt dieses Phänomen „repräsentierende Wahrnehmung“. Sie ist der wirksame Kern jeder Aufstellung. Durch sie fließen Informationen, die das System in seinen Zusammenhängen erklären.

Zunächst wurde die Systemaufstellung von Bert Hellinger vor Jahrzehnten für das Familiensystem entwickelt und heißt in diesem Bereich eben Familienaufstellung. Später wurde die Methode von anderen, zu denen auch ich mich zähle, für Körpersymptome, Krankheiten und andere Lebenskrisen weiterentwickelt.


Aber wie fühlt sich ein Organ, wie fühlt sich ein Schmerz, wie ein ganzer Symptomenkomplex, wie eine Krankheit, wie eine Krise? Die Informationen, die fließen, sind in hohem Maße bereichernd und überraschend zugleich. In aller Regel dienen sie der Heilung der momentanen Krise.

Grundsätzlich gibt es drei Kategorien von Botschaften und Einsichten,  die von Krankheiten und anderen Krisen übermittelt werden:


1. Erstens die sachlichen Botschaften. Das sind Erkenntnisse und Hinweise, die Sie in Ihrer jetzigen Lebensphase dringend brauchen.


2. Zweitens gibt es Botschaften, die darauf hinweisen, daß Ihre Seele vielleicht nicht vollständig ist, daß Sie evtl. einen Seelenanteil irgendwann in der Vergangenheit zurückgelassen haben, z.B. in einer traumatischen Situation in der Kindheit oder auch in einer früheren Inkarnation.


3. Drittens gibt es die Botschaften, die Ihnen sagen, daß Ihr Klan nicht vollständig ist, daß Ihnen in Ihrem Klanbewußtsein ein bestimmter Mensch fehlt.


Halten wir fest: Alle unliebsamen Ereignisse gehören dazu. Es ist weise, wenn Sie in ihnen eine Chance sehen, die Sie mit dem großen Ganzen in Verbindung bringen will. Das dient Ihrer Entwicklung und erweitert Ihr Bewußtsein.


Kommen wir nun zu einem anderer Bereich des persönlichen Lebens zur Paarbeziehung. Auch hier kommt es manchmal zu unliebsamen Ereignissen.

Ihrer Partner tut etwas, was Ihnen nicht gefällt. Häufige Reaktion im Bewußtsein der Dualität: Du bist schuld. Wenn du nur anders wärst, wäre alles gut.

Im Bewußtsein der Einheit hört sich das etwas anders an: Okay. Das gefällt mir zwar nicht, aber ich schau jetzt mal, ob es vielleicht mit mir etwas zu tun hat. Wozu brauche ich diese Erfahrung? Welche Chance liegt darin? Mit welchem fehlenden Teil der Ganzheit will mich dieses Problem in Kontakt bringen? Wozu dient mir dein Verhalten?

Im Bewußtsein der Einheit kann man sich diese Fragen ganz selbstverständlich stellen. Man hat keine Angst vor der Zukunft. Denn auch mit der Zukunft ist man schon positiv verbunden, wie immer sie aussehen mag.

Und schon ist man der Lösung ein gutes Stück näher.


Herkunftsfamilie


Unsere Herkunftsfamilie bildet eine besondere Ganzheit. Das System der Herkunftsfamilie tragen wir in uns. Wenn es ganz und vollständig ist, gibt uns die Herkunftsfamilie Kraft und Zuversicht. Wenn es Lücken gibt, weil jemand wegen seinem Schicksal ausgegrenzt oder vergessen wurde, sind wir unbewußt belastet. Denn den Drang zur Vollständigkeit und Einheit gibt es auch auf dieser Ebene. Ein unvollständige Familiensystem versucht nämlich, an die Ausgegrenzten und Vergessenen zu erinnern, indem es bei einem Nachfahren, z. B. einem Kind oder Enkelkind dasselbe Schicksal wiederaufleben läßt. Das führt zu Schicksalswiederholungen über mehrere Generationen. In einer Familienaufstellung können Sie herausfinden, ob Sie eine übernommene Last dieser Art tragen. Die Lösung ist die Wiederherstellung der Vollständigkeit. Man gibt dem Vergessenen einen guten Platz im eigenen Herzen. Dazu muß sich die Vergangenheit nicht ändern, was sie sowieso nicht kann. Auch sonst muß sich niemand ändern. Nur Sie selbst ändern Ihre innere Einstellung. Dadurch fühlen Sie sich vollständig und verbunden. Der Spiegel der Welt zeigt Ihnen plötzlich ein ganz neues Leben.


Beruf


Zur Einheit, in der der Mensch lebt, gehört auch der Beruf und die Berufung. Falls man in diesem Bereich noch nicht das Seine gefunden hat, kommt es auch hier zu unliebsamen Ereignissen, z. B. zu Unzufriedenheit, Unlust an der bisherigen beruflichen Tätigkeit oder aber zum handfesten Streit oder zu untragbarem Mobbing am Arbeitsplatz. Im selbstständigen Bereich zwingt manchmal ein Niedergang der bisherigen Geschäfte zum Umdenken.

Statt anderen die Schuld zu geben, bleiben Sie auch hier einfach im Bewußtsein der Einheit, das Ihnen sagt, daß alles, was da ist, eine Verbindung zu Ihnen hat und Ihnen wertvolle Hinweise für Ihren weiteren Weg geben kann.

Sie fragen auch in der beruflichen Krisensituationen: Was fehlt mir noch für den nächsten beruflichen Entwicklungsschritt?

Das kann eine Fähigkeit sein, die Sie entdecken, ein Talent, das Sie entwickeln können, ein professioneller Rat, den Sie einholen könnten, oder der Mut, den es zu fassen gilt, das Vertrauen in die Zukunft, neue berufliche Partner, eine bessere Kommunikationsstruktur, verrückte Ideen, eine Auszeit, eine Reise, eine neue Ausbildung, Freude am Neuen und vieles andere mehr.

Das Prinzip der Einheit gibt Ihnen die Sicherheit, daß alles sinnvoll miteinander verbunden ist, und daß Ihnen in der Zukunft nichts fehlen wird.


In den persönlichen Bereichen, privat und beruflich, bietet das Prinzip der Einheit also wesentliche Vorteile.

Aber auch in den größeren sozialen Systemen profitieren wir von diesem neuen Denksystem.


Starke Ideen brauchen starke Symbole.

Gerade wenn viele Menschen beteiligt sind, bietet sich als Sinnbild für das Prinzip der Einheit ein archaisches Symbol an, das Sie überall in der Natur wiederfinden: Der Kreis.




Die Sonne, der Mond, die Erde, der Menschenkreis um das Lagerfeuer, die Eizelle, der Zellkern, das Atom. Im letzten Herbst wurde mir plötzlich klar, daß der Kreis tatsächlich das ideale Symbol für das Prinzip der Einheit ist. Ich nenne ihn, weltweit verständlich, „circle of all“, weil eben alle ohne Ausnahme dazugehören.

Das Prinzip der Einheit zu leben heißt, sich in den Kreis zu stellen. Im „circle of all“ steht jeder mit demselben Recht. Niemand wird ab- oder aufgewertet. Jeder gehört auf dieselbe Art und Weise als Mensch dazu. Jeder gibt das, was er hat oder kann, zum Wohle aller in die Mitte.


Im Geist des „circle of all“ möchte ich nun mit Ihnen gemeinsam die großen gesellschaftlichen Zusammenhänge betrachten und schauen welche neuen Möglichkeiten das Prinzip der Einheit dort eröffnet.


Beginnen wir mit dem Wirtschaftssystem:


Wie in unserem Land und auf der ganzen Welt Wirtschaft getrieben wird, betrifft uns alle, jeden einzelnen. Es lohnt sich also, sich damit zu befassen.

Das globale Wirtschaftssystem unserer Tage trägt frühkapitalistische Züge. In den Ländern der Dritten Welt werden Waren zu Hungerlöhnen, zum Teil mit Kinderarbeit hergestellt und erscheinen zu Billigstpreisen in den Läden. Die reichen Staaten leben auf Kosten der armen Länder.

Doch Wohlstand, der sich auf Armut gründet, widerspricht dem Prinzip der Einheit. Im „circle of all“ werden alle gleichermaßen geachtet. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Ausbeutung hat da keinen Platz. Die Vorstellung, daß man etwas gewinnen könnte, indem ein anderer verliert, stimmt im Bewußtsein der Einheit nicht. Wenn ich auch das Gegenüber bin, ergibt es keinen Sinn, ihn auszubeuten. Ich würde mich nur selbst ausbeuten, auch wenn ich es erst viel später merke.

Deshalb gibt es nur eine Sorte von Geschäften, die vom Prinzip der Einheit unterstützt werden. Das sind Geschäfte, bei denen alle Beteiligten gewinnen und keiner verliert, win-win-Geschäfte. Fairer Lohn, fairer Preis, faire Arbeitsbedingungen.

Wenn es um Gewinn und Verlust geht, ist Geld nicht der einzige Parameter. Durch faire Produktions- und Handelsbedingungen gewinnt der Unternehmer neben Geld auch Ansehen, das Gefühl, zur großen Gemeinschaft der Menschheit dazuzugehören, und die Erfüllung, die sich aus der Gewißheit ergibt, daß man nach Vermögen und Möglichkeit zum Gelingen eines Großen Ganzen beiträgt.

Wirtschaft wird von Menschen für Menschen betrieben. Man muß den gesamten Menschen und all seine Bezüge anschauen, wenn man einen guten Weg des Wirtschaftens, Arbeitens und Konsumierens finden will. Ein wirklich neues Wirtschaftssystem wird allen Menschen dienen und wird auch die Umwelt nicht ausbeuten. Sklavenhaltung, Kinderarbeit und Hungerlöhne werden verschwinden, wenn das Prinzip der Einheit angewandt wird.

Win-Win-Situationen sind der Schlüssel zum langfristigen, wirtschaftlichen und persönlichen Erfolg. Einer für alle und alle für einen, aber eben gegen niemand. Das ist das Neue.


Völker und Staaten, Internationale Beziehungen


Dieser Grundsatz könnte auch für die internationalen Beziehungen zwischen Staaten gelten: Einer für alle und alle für einen, aber eben gegen niemand.

Denn jeder Mensch ist doch Teil der Menschheit, ist umgeben von Brüdern und Schwestern, ist vom selben Stamm, ausgestattet mit denselben Organen, durchdrungen vom selben Geist. Und doch herrscht Mord und Totschlag, Krieg und Terror auf der Welt. Der Grund dafür ist der Gedanke der Trennung, die Annahme, daß ein Mensch vom anderen getrennt ist, daß ein Volk vom anderen getrennt ist, die Vorstellung auch, daß ein Volk wichtiger und besser als ein anderes sein und über anderen Völkern stehen könnte. Auch der weitverbreitete Irrtum, daß ein Volk dazugewinnen kann, wenn es einem anderen Volk oder Stamm etwas wegnimmt, fördert Ausbeutung und Mißgunst.


Das Prinzip der Einheit sagt das Gegenteil. Alle Völker sind eine Einheit, sind Facetten derselben Menschheit, innigst verbunden in Geschichte, Schicksal und Zukunft. Wenn ein Volk ein anderes überfällt, überfällt es sich selbst, wird in Zukunft selbst überfallen, schneidet sich ins eigene Fleisch, tötet seine eigenen Kinder. Die Geschichte ist voller Beispiele. Wenn man das weiß, dann wird klar, daß die bisherigen Kriege von unwissenden Menschen angezettelt wurden und daß auch jeder einzelne, der mitgemacht hat, unwissend war. Der deutsche Soldat, der auf einen Russen geschossen hat, hat auf einen Bruder geschossen. Diejenigen, die wehrlose Zivilisten umgebracht haben und ganze Familien ausgelöscht haben, haben ihre eigenen Familien ausgelöscht. Ein Volk, das sich über andere erhebt, wird tief fallen. Es mag einige Zeit vergehen, bis das für alle deutlich wird. Die Zeitspannen sind auf der Ebene der Völker länger als auf der persönlichen Ebene. Völker haben ein längeres Gedächtnis als Individuen. Aber nichts geht verloren. Denn Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wirken ineinander. Auch sie bilden eine Einheit.

Alle Völker gemeinsam bilden das Volk der Erde, die Menschheit. In der Einheit herrscht auf dieser Ebene die Ordnung desselben Rechts. Alle Völker genießen dasselbe Recht, sind gleich wichtig und gleich wertvoll, egal welche Rasse, Hautfarbe, Religion, Bevölkerungsgröße oder Entwicklungsstand sie haben. In der Ordnung der Menschheit stehen die Völker gleichberechtigt in einem großen Kreis. Keiner sticht hervor. Sie alle gemeinsam bilden die Einheit, sie alle gemeinsam bilden die Menschheit. Jede andere Einstellung macht keinen Sinn.

Denn der Gedanke, daß es ein höher stehendes Volk geben könnte, führt zu Tod, Leid und Elend, das die Täter genauso trifft wie die Opfer. Dabei hilft es gar nichts, wenn sich derjenige, der im Moment mordet, brandschatzt und vertreibt, darauf beruft, daß er nur aus gerechter Rache handelt. Egal aus welchem Motiv man mordet, man mordet ein Mitglied der Menschheitsfamilie, damit einen Bruder oder eine Schwester und damit letztendlich sich selbst. Wenn man das weiß, kann der Krieg und das Morden aufhören.

Das Prinzip der Einheit bereitet den Weg zu einer friedvollen Zukunft.


Integration ethnischer und religiöser Minderheiten


Auch die Integration ethnischer und religiöser Minderheiten, die in so vielen Ländern ein Problem ist, kann mit dem Prinzip der Einheit besser gelingen.

Kein Volk ist reinrassig. Wir sind alle eine Mischung. Man muß nur lange genug zurückgehen, dann stößt man auf Andersartige, die Teil von uns geworden sind, ohne die wir nicht wären, was wir heute sind. Das Fremdartige zu bekämpfen zeugt von steinzeitlichem Denken. Wie gesagt, Menschen machen eine Entwicklung vom Unwissen zum Wissen durch, vom Unbewußten zu mehr Bewußtsein. Der Gedanke der Trennung, das Bekämpfen des fremden Menschen als jemand, der nicht zu uns gehört, stammt aus der Anfangszeit des menschlichen Bewußtseins, die allerdings bis in unsere Zeit viele Anhänger hat. Doch nun ist die Zeit reif für einen Quantensprung, reif für die Erkenntnis, daß das Prinzip der Einheit gerade auch auf der Ebene des menschlichen Miteinanders Gültigkeit hat. Wenn der Quantensprung geschehen ist, wird niemand mehr so tun können, als wisse man nicht, was man weiß: Wir gehören alle zusammen auf dieser Erde. Wir sind einander Bereicherung, nicht Fremde, sondern Freunde, Gäste, Nachbarn, die in gegenseitiger Achtung mit- und nebeneinander leben können.

Dabei darf jeder gerade so bleiben, wie er ist. Dadurch wird z. B. die Religion zur reinen Privatsache. So wie es mir gleich sein kann, welchem Fußballverein das Gegenüber favorisiert, kann es mir auch gleich sein, welcher Religion er anhängt. Er ist mir so oder so recht. Er ist Mensch unter Menschen und so bin ich es auch.


Im Prinzip der Einheit ist eine Ordnung verankert, die jedem Teil volle Autonomie zusichert. Erst dadurch funktioniert das Ganze zum Wohle aller. Sobald eine Bevölkerungsgruppe verlangt, daß sich die anderen in ihrem Sinne ändern sollen, schwingt sie sich aus der Einheit auf eine überhebliche Position, in der der Reichtum der Gesamtheit verloren geht, die eigene Art verkrustet und an Lebendigkeit verliert. Der Druck, dem die anderen durch die Forderung, sie sollten sich ändern, ausgesetzt sind, führt zu Gegendruck und Absonderung. Man scheidet sich voneinander, wittert Gefahr, statt Respekt, Verrat, statt Wohlwollen, Feindschaft statt Freundschaft.

Bei innenpolitischen Krisen, die auf der Verletzung des Prinzips der Einheit beruhen, z. B. Rassenunruhen, Gewalt gegen Ausländer oder sogenannte ethnische Minderheiten ist die einzig durchgreifende Lösung, sich die Gültigkeit des Prinzips der Einheit ins Gedächtnis zu rufen. Die Andersartigen werden dann als gleichberechtigte Mitglieder der Einheit Staat angesehen, als Spiegel der Ganzheit, der eine weitere Facette aus einem anderen Land, einer anderen Kultur oder einer anderen Weltanschauung bringt. Dadurch wird der gleichberechtigter Dialog möglich, von dem alle profitieren


Umwelt


Zur Einheit, in der wir leben, gehören aber nicht nur wir Menschen, sondern die gesamte Umwelt, die Tiere, die Pflanzen, die vier Elemente und natürlich Mutter Erde.

Die Vorstellung, daß die Erde dazu da ist, vom Menschen grenzenlos ausgebeutet zu werden, ist nach heutiger Erkenntnis nicht mehr haltbar. „Mach dir die Erde untertan“ ist ein Satz, der einem alten religiösen Dogma entspringt, das man heute so schnell wie möglich vergessen sollte. Das Prinzip der Einheit bestärkt die Anschauung der alten Naturvölker, daß der Mensch nicht über der Natur steht, sondern sich auf der selben Ebene wie alles andere befindet, daß Tiere, Pflanzen, Bäume, sogar Steine ebenso Kinder dieser Erde sind, Brüder und Schwestern, die es mit Achtsamkeit und Sorgfalt zu behandeln gilt. Das ist keineswegs eine primitive Vorstellung, sondern eine intelligente Sicht der Wirklichkeit. Es ist viel besser, dieses Wissen zur Grundlage der eigenen Entscheidungen zu machen, anstatt aus reinem Unwissen dagegen zu verstoßen und die katastrophalen Folgen zu tragen und sie zudem noch den eigenen Kindern zu vererben.

Auch alle Mitgeschöpfe haben das volle Recht, im „circle of all“ zu stehen.

Mit dem Prinzip der Einheit wird dieses Umdenken möglich:


Wir sind untrennbar mit allem verbunden. Unser Körper besteht aus den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Das Feuer, die Energie, die uns zum Leben zur Verfügung steht, stammt von unserer Sonne. (Eine Ausnahme macht nur die Atomenergie, die wir für unsere körperlichen und seelischen Vorgänge nicht primär benötigen. Sie stammt von früheren Sonnen). Die Sonne und der Mond gehören auch zur Einheit, ebenso die Planeten, Meteoriten, Sterne und Galaxien, ja das gesamte Universum. Doch zurück zum Näheren, zurück zur Erde. Unser Körper besteht aus ihr, erhebt sich beseelt und begeistert von Kräften, die unsere Vorstellungskraft übersteigen, und fällt ihr nach einiger Zeit wieder zu. Wir sind Kinder dieser Erde. Sie ist uns eine große Mutter. So wird sie von den Indianern genannt: Mutter Erde.

Die Geschöpfe, die auf ihr und von ihr leben, Tiere und Pflanzen, Berge und Täler, Flüsse und Seen sind unsere Brüder und Schwestern, auch der Wind, der Regen und der Schnee. Mit all dem sind wir tiefer verbunden, als wir ahnen. Denn in letzter Konsequenz sind wir stets auch das Gegenüber.

Um das Paradies auf Erden zu erreichen, sollten wir das Prinzip der Einheit ernst nehmen und davon ausgehen, daß es die Einheit tatsächlich gibt, daß wir mit unseren Mitgeschöpfen und Mutter Erde tief verbunden sind und daß wir auf derselben Stufe stehen. Jede Ausbeutung, jeder achtlose Umgang, jedes egoistische Ausnutzen anderer Lebewesen und der Schätze von Mutter Erde verbietet sich dann von selbst.

Nun wird klar, wie unsinnig und im Grunde unhaltbar es ist, unsere Brüder, die Tiere, in medizinischen Versuchen so sehr zu quälen, sie zur Deckung für das Bedürfnis nach billigem Fleisch zusammenzupferchen, ihnen ein tierunwürdiges Leben zu bereiten und sie dann angstvoll und vollgestopft mit Medikamenten zu schlachten.

Wenn Sie Fleisch essen und sich und Ihrem Körper dabei etwas Gutes tun wollen, sich gut nähren wollen, dann essen Sie nur Fleisch von Tieren, denen ein gutes, tier- und artgerechtes Leben vergönnt war.


Zusammenfassung


Die Prinzip der Einheit anzuwenden, bringt viele Vorteile und verbessert das Leben in vielen Bereichen. Damit wir diese Vorteile genießen können, braucht es eine einzige Vorraussetzung:

Wir müssen umdenken!

Das Bewußtsein der Dualität verlassen und dem Bewußtsein der Einheit Raum geben. Das Bewußtsein sozusagen vom Gehirn ins das Herz verlagern. Den Gedanken der Trennung und des Mangels aufgeben und den Gedanken der Einheit und der Fülle denken.


Das beste Übungsfeld und gleichzeitig das Feld, auf dem Sie am einfachsten und schnellsten Ihre ersten Erfolge mit dem Prinzip der Einheit feiern können, sind alle persönlichen, unliebsamen Ereignisse. Sie können sie in Zukunft als willkommene Facetten der Einheit anschauen und dadurch die Botschaften und Chancen, die darin liegen, erkennen. Ihre persönliche Entwicklung wird dadurch in den nächsten Wochen und Monaten einen bedeutenden Schub nach vorne erfahren.

Heissen Sie die nächste Krise als Chance willkommen. Falls sich Ihnen die tiefere Bedeutung einer Krise nicht erschließt, können Sie auf die Systemaufstellung als leicht zugängliche Hilfestellung zurückkommen. Professionelle Hilfe erspart Ihnen mitunter monatelange Stagnation, wo die gute Lösung manchmal so nahe liegt.


Der zweite Bereich, in dem es sich gleich von Anfang an lohnt, sich im Bewußtsein der Einheit zu bewegen, ist die Beziehung zu anderen Menschen. Nehmen Sie dazu jede Schuldzuweisung zurück, und schauen Sie, was die Situation von Ihnen selbst will. Alleine durch diesen Schritt werden sich Ihre privaten und beruflichen Beziehungen positiv verändern.


In den sozialen Gefügen, in denen Sie zwangsweise als Bürger, Konsument oder arbeitender Mensch Mitglied sind, erinnern Sie sich an den „circle of all“. Nehmen Sie Ihren Platz im „circle of all“ ein, indem Sie alle Überheblichkeit und jede Unterwürfigkeit abgeben. Begegnen Sie allen anderen auf Augenhöhe und streben Sie in allen Beziehungen win-win-Situationen an.


Unterstützen Sie ein faires, von gegenseitiger Achtung geprägtes Wirtschaftssytem. Betrachten Sie alle Menschen als Brüder und Schwester, unabhängig von Ihrer Herkunft, Staatszugehörigkeit, Religion oder Hautfarbe. Werden Sie Bürger des Volkes dieser Erde, werden Bürger der Menschheit.


Justieren Sie auch Ihren Platz in der Umwelt neu. Beginnen Sie Mutter Erde und alle Mitgeschöpfe mit Achtung und Dankbarkeit anzuschauen. Wandeln Sie mit Achtsamkeit auf dieser Erde.

Nehmen Sie Ihren gemäßen Platz im Kosmos ein. Schauen Sie voller Achtung auf die Sonne, den Mond, die Sterne, unsere Galaxie und das gesamte Universum. Wir sind von kosmischen Energien und Zusammenhängen beeinflußt und berührt, die sich unserem Verstand entziehen, mit denen unserer Seele aber innig und untrennbar verbunden ist. Manches können wir nicht mit unserem Willen beeinflußen. Nur zustimmen können wir, daß wir ein kleiner Teil eines ganz Großen sind. Mit dieser grundsätzlichen Zustimmung nehmen wir unseren gemäßen Platz als Teil der Menschheit dieses Planeten ein. Wir stimmen dadurch auch unseren Fähigkeiten zu, z. B. auch unserer Fähigkeit umzudenken und die Wirklichkeit zu erkennen.


Angesichts der aktuellen, weltweiten Probleme erscheint das Prinzip der Einheit als weise Anpassungsstrategie an die Erfordernisse unserer Zeit. Denn vergessen wir nicht, was Darwin gesagt hat:




„Nicht die stärkste Art überlebt, auch nicht die intelligenteste. Es ist diejenige Art, die sich am besten an Veränderungen anpassen kann.“

Vielleicht ist es intelligent, uns auf die veränderten Bedingungen auf unserem Erdball einzustellen, indem wir das Bewußtsein der Einheit in uns entwickeln und pflegen. Damit verlieren unsere Aktivitäten und Entscheidungen die kalte Berechnung des Verstandes und gewinnen mehr Herzqualität.

Im Gefühl der Sicherheit und Verbundenheit, die uns das Prinzip der Einheit schenkt, fällt es uns leichter, unsere persönlichen Probleme zu lösen. Gleichzeitig leisten wir dadurch einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu Frieden und Harmonie auf unserem Planeten.



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DR. MED. KARL-HEINZ RAUSCHER

Wir gehören alle zusammen

      VORTRAG: DAS PRINZIP DER EINHEIT