MEDIZINRADAUFSTELLUNG


von

Dr. med. Karl-Heinz Rauscher


und

Co-Autoren (soweit sie genannt werden wollen):


Irene Maria Baumeister, Brigitte Buchfellner, Monika Diete, Anton Gall, Ilona Haug, Jakob Haug,

Wolfgang Hans Peter Heckel, Kerstin Hilgenberg,

Eva-Maria Hirzel-Griding, Marion Massano, Magnus Möst, Irmgard Rosa Maria Rauscher,

Sandra Rem, Berchtold Wasser, Dr. Sandra Wiedemann-Bickl, Bruno Wilhelm




Nach Monaten der Vorbereitung war es am 1. September 2001 endlich soweit. Wir, eine Trainingsgruppe für systemische Aufstellungsarbeit in Deutschland, wagten eine Systemaufstellung innerhalb eines Medizinrads, das  einige Monate zuvor von einem Schamanen indianischer Abstammung mit großen Steinen gelegt worden war. Unsere Absicht war es zu hören, welche Botschaften die unterschiedlichen Qualitäten der Medizinrads uns Menschen geben konnten. Was konnten wir vom Medizinrad lernen, um ein besseres und klügeres Leben zu führen zu können?


Ein Medizinrad sieht in etwa so aus wie ein Wagenrad, das auf der Seite liegt. Die verschiedenen Teile des Rads werden mit Steinen markiert. Ursprünglich eine Tradition der amerikanischen Ureinwohner wird dieses Konstrukt in jüngster Zeit in Heil-Zeremonien auf der ganzen Welt eingesetzt. Das Medizinrad repräsentiert den heiligen Kreis des Lebens. Dabei dienen die vier Himmelsrichtungen, die mit Tiertotem besetzt werden, als Wächter. In der Mitte des Rads gibt es ein Arrangement von Steinen, einen Innenkreis, vom dem vier Linien wie Speichen zu den vier Himmelsrichtungen verlaufen.


Die folgenden Abbildung zeigt das Medizinrad, das bei der Systemaufstellung Verwendung fand:




Nach monatelanger Ausbildung in Systemaufstellungen wurden fünfundzwanzig Teilnehmer am nördlichen Eingang des Medizinrads mit Salbeirauch gereinigt. Wir stellten uns alle zunächst in einen Kreis innerhalb des Medizinrads auf. Bevor wir mit der Aufstellung begannen, sprach ich ein Gebet und legte als Aufstellungsleiter fest, welche Positionen die Teilnehmer im Medizinrad repräsentieren sollten, damit wir die Informationen aus diesen Positionen sammeln konnten. Folgende Positionen wurden besetzt:


Zentrum:


Der Schöpfer (Großer Geist)

Diese Position wurde einige Male durch mich (Aufstellungsleiter) vertreten.


Der Innenkreis:

Vater Sonne

Mutter Erde

Großmutter Mond

Element Erde

Element Wasser

Element Feuer

Element Luft


Die Speichen:

Von Norden: Reinigung, Erneuerung, Reinheit

Von Osten: Klarheit, Weisheit, Erleuchtung

Von Süden: Wachstum, Vertrauen, Liebe

Von Westen: Erfahrung, Einsicht, Stärke


Außenkreis:


Die Hüter des Geistes in den vier Richtungen:

Der Norden (Weißer Bison)

Der Osten (Adler)

Der Süden (Kojote)

Der Westen (Grizzly)




Weitere Positionen im Außenkreis: (Während der Aufstellung hinzugefügt)

Erster Mond = Mond des ersten Beginns (Erster Monat des neuen Jahreszyklus)

Zweiter Mond (Zweiter Monat)

Dritter Mond (Dritter Monat)

Der erste Mensch, der schaut und erschaut = Der erste Mensch

(Während der Aufstellung wird klar, daß diese Position für den Menschen an sich steht, der sich offenbar am Startpunkt eines neuen Zyklus, einer neuen Ära befindet.)

Die Tiere

Der zweite Mensch

Der dritte Mensch



Die im Folgenden fettgedruckten Positionen wurden jeweils von Stellvertretern besetzt.


Als die Positionen, wie oben beschrieben, besetzt waren, bat ich die Stellvertreter in den Systemrollen nacheinander zu sprechen:


Es spreche der Hüter des Geistes im Norden, der Weiße Bison:

Er weint vor innerer Berührung und schreit die stummen Schreie der inneren Geburt.


Es spreche der Hüter des Geistes im Osten, der Adler:

„Paßt auf und gebt gut acht.“


Es spreche der Hüter des Geistes im Süden, der Kojote:

„Zeigt Demut“


Es spreche der Hüter des Geistes im Westen, der Grizzly:

„Mensch, was hast Du aus Deinen Geschenken vom Schöpfer gemacht!

Was hast Du aus Deinem Schöpfer gemacht.“


Bevor die Reihe an die Speichen kam, hatten die zugehörigen Hüter des Geistes in den vier Himmelsrichtungen, von denen aus die Speichen zur Mitte ziehen, nochmals Gelegenheit zu sprechen:


Weißer BisonIch bin die Energie der Erlösung.“

Weiter habe ich nichts zu sagen. Ihr wißt ja schon, was ihr zu tun habt“.


Dann berührte ich der Reihe nach die Positionen der Speichen mit dem Trommelstab, als Zeichen, daß sie dran waren. Die Stellvertreter in den Speichen wußten nicht, wie ihre Position benannt war.


„Das Rad trägt“, spricht die Reinigung


„Es ist alles in der Schwebe, jeder ist gefordert“, spricht die Erneuerung


„Grizzly, dreh Dich um, und schau, was hinter Deinem Rücken geschieht“, spricht die Reinheit



Adler: „Nicht jeder Wind trägt“


„Die Fruchtbarkeit ist bedroht“, spricht die Klarheit.


„Ich gebe Euch Visionen“, spricht die Weisheit.


„Weichheit und Kraft sind eine Energie.“ und

Ich komme zu Euch durch Vertrauen“, spricht die Erleuchtung



Kojote: „Zeigt Demut und schützt Euch vor Überheblichkeit!“


„Nutzt alle Energien in meinem Sinn“ und „Habt Mut. Geht euren Weg!“,

spricht das Wachstum


Erdenschwer und tief verwurzelt“, spricht das Vertrauen


„Öffne Dich für die Schönheiten“,  spricht die Liebe



Grizzly: „Mensch! Achte den Schöpfer und seine wundervolle Schöpfung.

Mensch! Achte alles Leben.

Mensch! Schau in Dein Herz.

Mensch! Handle nach Deinem Herzen und Deinen Gefühlen.

Mensch! Laß Liebe wieder zu.

Mensch! Ich, der Hüter des Westens, der Grizzly, ich habe keine Kraft mehr – ich bin kraftlos – ich werde von Deiner Gefühllosigkeit, Deiner Kälte und Machtgier erdrückt!

Mensch! Ich kann Dir nicht mehr lange beistehen und Dich schützen.

Mensch! Kehre um! Laß Liebe in Dein Herz einkehren.

Mensch! Fang endlich an.“


„Seid wachsam in Liebe“, spricht die Erfahrung


„Ich bin verbunden mit der göttlichen Kraft des Himmels“ und „Ich bin die Quelle der Weisheit, trinkt von mir“, spricht die Einsicht


Es schweigt die Stärke. Sie wankt. Ihr fehlt die Kraft.


Ich frage nun Mutter Erde, die sich zu Boden gekauert hat wie in Schmerz:

„Es spreche Mutter Erde, wenn es etwas zu sagen gibt.“


Mutter Erde: „So viel gescheh’n – und doch nicht geseh’n.


Es spreche Vater Sonne:


„Mutter Erde, Großmutter Mond und Vater Sonne sind innig verbunden. Ehrt Mutter Erde. Ohne ihren Schutz trifft Euch meine grenzenlose Hitze.


Geht aufrecht! Der aufrechte Gang führt zur Reinheit des Geistes!“


Es spreche Großmutter Mond: „Ich komme von weit her“


Es spreche das Element Erde: „Aus Liebe geboren – nur die Liebe trägt.“


Es spreche das Element Wasser:

„Schauet in Eure Herzen und erkennet an, daß ich ein Teil des Lebens bin. Achtet darauf, daß ihr mich nicht umwandelt zu Gift!“


Es spreche das Element Feuer: „Pure Freude ist die Kraft, durch die du dein SELBST ausdrücken kannst und dich selbst verwirklichen kannst.“


Es spreche das Element Luft:

„Laßt Eurem Geist Flügel wachsen und hört mein Lied, das Euch Ideen bringt.

Wie der Wind könnt auch Ihr noch umdrehen.“


„Es spreche der Erste Mond, der Mond des ersten Beginns.“

Der erste Mond schweigt.


Daraufhin gehe ich auf die Positionen des Zweiten und Dritten Mondes, die bis dahin noch durch keinen Stellvertreter dargestellt sind.


Dem zweiten Mond ist der Mund verschlossen. Er schaut auf den Ersten Mond und wird nicht sprechen, bis nicht dieser gesprochen hat.


Der dritte Mond schweigt ebenfalls und schaut auch auf den ersten Mond. Er wird nicht sprechen, bis nicht der Erste und der Zweite Mond gesprochen hat.


Ich frage nun den Schöpfer, ob ich in seiner Systemposition als Stellvertreter stehen darf. Es kommt eine bejahende Bewegung. So wage ich es, in die Position des Schöpfers zu gehen, indem ich mich über den Schöpferstein stelle.

Der Schöpfer läßt seinen Blick schweifen. Er legt seine linke Hand auf die linke Schulter des Elements Erde und setzt das Bild damit in Bewegung.


Das Bild setzt sich in Bewegung.


Element Erde ist mit der Erde verbunden und nimmt mit den Händen Kontakt mit ihr auf.  Zum Schöpfer hat das Element Erde nur wenig Abstand. Es spürt einen starken Zug, eine Hinbewegung zum Schöpfer. Das Element Erde hat die Augen geschlossen, als der Schöpfer ihm seine linke Hand auf die linke Schulter legt. Bei dieser Berührung hört der Zug auf und schlagartig ist ein großer, tiefer Friede in Element Erde, nur noch Frieden.


In der Erneuerung ist eine Unruhe, fast zum Verzweifeln und doch hat sie die Fühler nach allen Seiten ausgestreckt, um so die feinste Veränderung wahrzunehmen.


Deutlich spürt das Wachstum gebundene Energien, die sich lebendig, drehend in Spiralformen bewegen, und die eine starke Licht- und Farbintensität (Regenbogenfarben) aufweisen.

Wie festgemauert in der Erde wird das Wachstum von irgend etwas in die Knie gezwungen. Viele Botschaften erreichen das Ohr des Wachstums. Dabei fließen ihm deutlich spürbar Energien zu. Je weiter die Aufstellung sich entwickelt, desto leichter fühlt sich das Wachstum und kann aufstehen. Es hat von Anfang an großes Interesse an dem  Geschehen um den Ersten Menschen und den Ersten Mond entwickelt. Es fühlt sich von diesem Geschehen angezogen. Schritt für Schritt zieht es das Wachstum durch das gesamte Medizinrad. Dabei spürt es eine ganz starke, kraftvolle Energie, ein Riesenpotential, das als Kraft gelebt werden will.


Der Auftritt des Schöpfers verändert den Energiefluß von Vater Sonne zu Mutter Erde sofort und deutlich. Der Fluß ist jetzt mild, dem Leben zuträglich. Vater Sonne hebt die Arme bis seine Hände Mutter Erde und Großmutter Mond erreichen. Die Gestirne und die Elemente bilden jetzt einen geschlossenen Kreis, es herrscht Einheit und Stille bis der erste Mensch auftritt.

Es kommt das Bild, daß sich nichts bewegen wird, wenn nicht der Mensch auftritt. So wird die Systemposition „Mensch“ zwischen den Weißen Bison und den Ersten Mond aufgestellt.

Der „Mensch“ schaut in die Landschaft und in den weißblauen Himmel wie in ein neu Erschaffenes und sagt:

„Hier steht der erste Mensch, der schaut und erschaut.“


Der „Erste Mensch, der schaut und erschaut“ wird von den  Klagen und Ermahnungen der Planeten und Elemente berührt. In ihm taucht die Frage auf:

„Willst du dich drauf einlassen?“

„Ja“, antwortet er.

Voll und ganz?“, fragt die Stimme weiter.

„Ja“, antwortet der Mensch.


Gleich nach dieser Antwort darf der Erste Mensch seinen physischen Körper verlassen und von einem höheren Standpunkt mit mehr Übersicht schauen.

Er empfindet sich schräg schwebend über einer Stadt mit Hochhäusern und Fabrikschloten. Er sieht keinen Menschen. Plötzlich, wie ein Schwall, spürt er die Gefühle, Einstellungen, Anschauungen, Interessen der Leute aus diesen Häusern heraus. Diese sind ausgesprochen materialistisch: Profitgier, Egoismus, Geiz, Habgier, Gleichgültigkeit und vieles mehr.

Es überkommt den „Ersten Menschen, der schaut und erschaut“ der Wunsch, hier vermitteln zu wollen zwischen den Menschen und der Schöpfung. Er spürt aber auch, daß er alleine nichts bewegen kann. Da empfindet er tiefste Trauer, Hilflosigkeit und Leid zugleich. Das löst in ihm heftigste Gefühlsausbrüche aus.

Erst als er Hilfe erfährt, wird es leichter. Die Einsicht, die ihm zu Hilfe kommt, bewegt nichts. Erst als die Liebe auftaucht, spürte er etwas Wirkung in der Weise, daß er erkennen darf (indem der Schwall der schlechten Emotionen der Menschen an Heftigkeit nachläßt), daß mit Liebe bei einigen eine Umkehr zu erreichen ist. Doch erkennt er, daß den Großteil der Menschen die schöpfungsrelevanten Dinge nicht interessieren.


Das Geschehen verdichtet sich nun langsam beim Hüter des Geistes im Norden, dem Bison, dem Ersten Menschen und dem Mond des ersten Neubeginns, der keine Botschaft hat und nicht in der Lage ist zu sprechen.

Element Erde hat das Bedürfnis, eine Verbindung zu schaffen von Mutter Erde, Vater Sonne, Großmutter Mond, den Elementen, den Speichen und dem Bison bis hin zum Ersten Menschen und äußert das auch. Zur Enttäuschung von Element Erde halten sich aber nur Mutter Erde, Sonne, Mond und die Elemente an den Händen. Das Element Erde verspürt großes Leid, tiefe Verwirrung und Kraftlosigkeit beim Bison und dem Ersten Menschen.

Das Element Erde gibt dem stärker werdenden Drang nach, zum Ersten Menschen zu gehen, um ihn zu stärken, mit der Liebe zu verbinden und aufzurichten. Zielstrebig geht Element Erde zum Ersten Menschen, stellt sich aufrecht vor ihn hin und legt ihm liebevoll und behütend die Hände auf Kopf, Schultern und Brust, um alle Kraft auch in sein Herz fließen zu lassen. Mal ruhen die Hände still auf einem der genannten Bereiche und dann streichen sie wieder ganz sanft und liebevoll über Kopf und Gesicht. Kaum hat Element Erde dem Ersten Menschen die Hände aufgelegt, bricht er in Tränen aus. Das Element Erde ist dem Ersten Menschen in seiner tiefen Gemütsbewegung und Verzweifelung in tiefer unterstützender Liebe und Mitgefühl (ohne mitleidend zu sein) verbunden. Noch einmal gibt das Element Erde dem Ersten Menschen die Botschaft:

„Aus Liebe geboren – nur die Liebe trägt.“


Das ist ein sehr berührender Moment der Aufstellung. Es ist, wie wenn wir dem Schöpfungsakt des Menschen beiwohnen würden. Das berührt das tiefste Innere und rührt zu heißen Tränen.


Die Anwesenheit von Element Erde scheint auf fruchtbaren Boden zu fallen und läßt den Ersten Menschen zur Ruhe kommen, läßt ihn die Augen erheben, in die Runde schauen und wahrnehmen, was dort ist.

Doch weiß der Erste Mensch nicht, was Liebe ist. Er fragt ins Medizinrad hinein:

„Was ist das, Liebe? Ich weiß nicht, was das ist, Liebe.“


Die Einsicht ist mit Erde und Himmel verbunden. Ihr Wipfel streckt sich dem Himmel zu. Von der Erde her beginnt es die Einsicht zu jucken. Die Vermittler dieser Empfindung sind die Ameisen. Die Einsicht ist neugierig auf die Worte der anderen, fühlt sich aber zunächst nicht groß zugehörig.

Mit der Zeit nimmt die Einsicht die Schwere und das Leiden um sich herum immer mehr wahr. Die Trauer des Weißen Bisons berührt sie. Sie geht zu ihm, kniet sich vor ihm hin und verneigt sich vor ihm in der Vorstellung, daß das seinen Schmerz lösen würde. Der Weiße Bison zeigt keine Reaktion. Da legt sich die Einsicht flach vor ihn hin und berührt seine Füße und spricht zu ihm: Ich bitte den Weißen Büffel um Erlösung.“

Vom Weißen Bison kommt keine Reaktion. Nochmals bittet die Einsicht um seinen Segen und um Erlösung. Doch der Bison reagiert nicht.


Die Tiere werden zwischen dem Menschen und dem Weißen Bison aufgestellt. Sie schauen auf alles, nicht jedoch auf den Menschen.

Beim Auftreten der Tiere spürt die Stärke, daß Sie gebraucht wird, und ist bereit, den Tieren Kraft zu geben für den nächsten Schritt. Die Stärke spricht zu den Tieren:

„Ich bin bereit.“

Der Erste Mensch beteuert den Tieren, daß ihm alles so leid täte und drückt auch den damit verbundenen Schmerz und das Mitgefühl aus. Es sind echte Gefühle. Doch haben die Tiere kein Vertrauen zum Menschen. Sie spüren genau, daß es der Erste Mensch im Moment immer noch nicht anders oder besser machen kann.


Als Begleiter der Aufstellung schlage ich den folgenden Lösungssatz vor:

„Du kommst vor mir und ich nach Dir.“ Dieser Satz entspannt das Verhältnis etwas. Die Tiere trauen dem Menschen aber nicht. Sie meinen, es fehlt noch etwas. Sie äußern das in dem Moment, als sich, von den Tieren unbemerkt, das Vertrauen nähert.

Ich sage zu den Tieren: „Schaut“. Sie schauen auf das Vertrauen und lächeln. Aber es reicht nicht, um genug Vertrauen zum Ersten Menschen zu entwickeln.


Die Tiere wissen: Der Mensch hat immer noch nicht erkannt und eingesehen, um was es geht. Die Tiere spüren auch, was dem Menschen noch fehlt.

Es ist die Ehrfurcht vor der Erde und dem größeren Ganzen.

Der Erste Mensch hat immer noch nicht erkannt, daß er nur ein Teil des GANZEN ist.


Die Tiere fühlen, daß der Erste Mensch glaubt, er wäre das Höchste. Es fehlt ihm Demut, Dankbarkeit und Bescheidenheit. Deshalb können die Tiere kein Vertrauen zum Menschen entwickeln.


Das Gefühl der Erfahrung ist ein wissendes, altes und Alles überblickendes.

Als das (Medizin-) Rad mit dem Ersten Mond nicht ins Rollen kommen will, stutzt die Erfahrung. Beim Auftauchen des Erstem Menschen, sagt die Erfahrung zu ihm:

„Bejahe das Leben“.

Die Erfahrung streckt ihre Hände zur Seite aus mit dem Gefühl eines uralten Wissens und einer Ahnung des „Alles-schon-erfahren-habens“ und „Alles-weiter-erfahren-wollens“. Die Erfahrung möchte das Geschehen um den Ersten Menschen und den Ersten Mond anschieben. Sie wird zum Hüter des Nordens hingezogen, vor welchem die Einsicht schon kniet. Sie geht dorthin und versucht, auf allen Vieren die Einsicht etwas zu erheitern, rempelt sie leicht und stupst sie. Der Einsicht aber gefällt das nicht.

Die Erfahrung setzt sich und trägt mit aller Aufmerksamkeit zu dem „wieder in Schwung und Bewegung, ins Rollen kommen“ bei. Sie ist der Ansicht:

„Das Leben und das Universum geht doch sowieso weiter und dieser Tumult vor mir sollte nicht zu viel Schwere und Wichtigkeit bekommen. Was einmal fährt und rollt, wie unser Universum, wird, darf und muß weiterfahren und weiterrollen. Irgend etwas Irdisches kann und darf sich da nicht querstellen.“ Daran hat die Erfahrung nicht den geringsten Zweifel.


Der Zweite und Dritte Mensch werden aufgestellt.

Der Zweite Mensch hat keine Regungen, ist nicht wirklich anwesend und hat nichts zu sagen. Er kann kaum dem Geschehen folgen.

Der Dritte Mensch empfindet Arroganz gegenüber Mutter Erde und dem gesamten System. Später spricht der Dritte Mensch zum Mond der Erderneuerung: „Steh bitte auf und nimm Deinen Platz ein. Wir brauchen Dich für die Einheit.“


Das Element Wasser ist von fließender Kraft, die Leben spendet. Es ist von Anbeginn dabei und von ungeheuerer Wichtigkeit. Es nimmt wahr, wie der Mensch es aus seinem Ego-Denken heraus verkennt und mißachtet. Der Mensch denkt nur für sich und handelt, ohne das ganze Sein zu achten.

Dadurch mißbraucht er Element Wasser, verschmutzt es und somit doch nur sich selbst und das kostbare Leben, sowie das ganze Sein.

Das Element Wasser nimmt wahr, daß das ganze Leben und somit auch der Erste Mensch ohne es nicht sein kann. Das Element Wasser stellt sich mit seinem gesamten Sein für Alle und Alles, was Leben bedeutet, im vollen Vertrauen zur Verfügung.


Das Element Wasser geht hin zum Ersten Mensch, berührt ihn, durchfließt ihn im Ganzen und nimmt wahr, welche große und starke Lebenskraft vom Wasser zum Menschen und in allem Sein fließt.

Es ist für das Element Wasser ein starkes, freudvolles und lebendes Gefühl, zu strömen und allem Leben die Kraft zu geben, daß es durch das Wasser leben und blühen kann in der ihm gegebenen tollen Pracht. Es ist wie ein Lebensstrom, der alles erfaßt und tief durchdringt. Es bereitet dem Element Wasser die größte Freude zu spüren und zu sehen, was durch es entstehen und wachsen kann.

So weitet sich das Element Wasser aus, verbreitet sich überall im Sein und ergießt sich über all das Leben. Dabei entsteht auch der Freiraum für die anderen, die dem Wasser gleich sind im Ganzen.

Überall da, wo es seiner bedarf für neues Leben, für Lebensmut, für Lebenskraft und für das Glauben an das Ganze, will das Element Wasser fließen in all seiner Klarheit und Reinheit. Drum die Botschaft des Elementes Wasser:

„Achtet meiner!! Würdigt durch mich das Leben, meine Reinheit und meine Klarheit. Für alles Leben. Seid immer da in Eurem Bewußtsein. ICH BIN EIN TEIL DES LEBENS FÜR IMMERDAR.“


Die Liebe verspürt eine starke Verbindung zu Vater Sonne und berührt angenehm leicht seine Schultern. Dann breitet sich die Liebe aus und gibt sich überall hin. Sie ist überall. Als das Element Erde zum Ersten Menschen geht, will die Liebe mit, aber etwas hält sie noch fest.

Der Erste Mensch braucht die Liebe, aber er ist noch blind dafür. Er sieht sie nicht. Zu groß ist sein Hochmut. Er ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt.


Die Liebe empfindet viel Freude zu geben, in jedem Augenblick da zu sein, ohne etwas zu wollen. Die Liebe ist im Überfluß da.


Element Erde geht weiter zum Ersten Mond, der in schwerem Leid gefangen ist. Auch hier führt die liebevolle Berührung am Kopf und den Schultern zu einem starken Gefühlsausbruch mit Weinen und großer Verzweiflung. Auch hier fließt tiefe, unterstützende Liebe, Mitgefühl und auch große Kraft von Element Erde dem Ersten Mond zu.

Etwas später äußert der Erste Mensch, daß ihm noch etwas fehle und er noch mehr Einsicht bräuchte, um das bis dahin erfolgte Geschehen annehmen und umsetzen zu können.

Sofort steigt in Element Erde ein Unmut, fast ein Zorn auf und es muß dem ersten Menschen noch einmal die Botschaft, diesmal sehr dringlich und diesmal schon eher wie eine Zurechtweisung geben: „Aus Liebe geboren – nur die Liebe trägt!!“

Element Erde weiß:

„Da ist Zorn über die Uneinsichtigkeit des Ersten Menschen, immer noch dem Verstand und nicht dem Herzen zu folgen, immer noch nutzlosen und hilflosen Konzepten nachzugehen und nicht auf das Eigentliche, das Wesentliche, die Grundlage zu sehen. Was er braucht ist Liebe. Alles andere kommt von allein. Die Liebe zieht es nach sich und ohne sie als Grundlage ist alles andere wertlos, und es braucht nichts anderes, um Heilung zu finden, nur die Liebe – zu allem. Aus Liebe, aus der göttlichen Liebe wird alles geboren. Sie ist der Urgrund, auf dem alles ruht. Das Element Erde ist das tragende Element, auf dem alles steht, liegt, ruht, getragen wird, aber Element Erde weiß, das dies nur auf einer vordergründigen materiellen Ebene so ist oder zu sein scheint, denn das, was wirklich trägt, ist nur die göttliche Liebe, die wie der Atem Gottes alles durchwebt. Sie ist die Grundlage allen Seins.“

Der Zorn des Elements Erde schlägt bald darauf um in tiefe Enttäuschung, was eine große Kraftlosigkeit nach sich zieht.


Der Grizzly sagt:  „Mensch! Schau in Dein Herz.

Entdecke wieder die Liebe zur Schöpfung und allen Kreaturen!

Mensch! Fang endlich an! Beginne!“


Die Liebe geht zum Ersten Mond des Neubeginns und hält ihm den Kopf, gibt ihm Kraft. Die Liebe ist geduldig. Sie wartet, bis sie gesehen wird.

Die Liebe hat das Gefühl, daß sie sehr großen Einfluß auf alles Leben haben kann, wenn sie in die Herzen aufgenommen wird. Sie drängt sich nicht auf, sie ist einfach da.

Für die Liebe ist klar: Solange der Erste Mensch ohne Liebe ist und sie nicht sieht, kommt er nicht weiter und kann nicht getragen werden.

Die ganze Aufstellung lang ist es der Liebe sehr leicht zu Mute. Sie hat das Bedürfnis, sich überall hin zu geben.


Doch dem Ersten Mond kann die Liebe in dieser Phase offensichtlich noch nicht helfen. Der Erste Mond wird immer trauriger, schluchzt und geht nun mehr und mehr zu Boden und sagt, daß er  nur noch zum Element Erde will. Er liegt schließlich lang ausgestreckt vor dem Element Erde mit dem Kopf zwischen seinen Füßen. Der Erste Mond wird durch die Kraft und die Anwesenheit von Element Erde in seiner Verzweiflung behütet.


Großmutter Mond kommt von weit her. Sie sieht neben sich die Sonne. Sie fühlt sich reif und weise und uralt, auch leicht an Gewicht und silbern glänzend mit kühler Hinwendung zu allem.

Interessant wird es für Großmutter Mond erst, als der Erste Mensch kommt. Vorher schwebte sie mehr unbewußt. Mit dem Auftauchen des Menschen wird sie aufmerksam, aber auch wachsam. Ihr Wirken, ihr Scheinen bekommt erst jetzt ein Ziel, einen Sinn. Nun kann sie ihr Licht verströmen und ihre Botschaften und Lehren können vernommen und gehört werden.

Sie weiß: Gänze und Ganzheit formiert sich aus der hellen und der dunklen Seite.

Sie weiß auch, daß so etwas wie ein tiefes Verstehen um die Verbindung zu allem und jedem noch nicht entstanden ist.


Sie hat auch Botschaften: Fürchtet Euch nicht.


Ihr seid nicht allein.


Lernt mit und an mir die uralten Gezeiten des Lebens.


Huldigt mir, die ich auch Eure Nachkommenschaft bewege.


Großmutter Mond entwickelt mütterliche Gefühle für den Ersten Mond, geht zu ihm, läßt sich hinter ihm nieder, legt ihre Hand auf seinen Rücken und versucht, ihm Kraft und Wärme zu geben.


Die Einsicht wird immer schwächer und sitzt kraftlos mit gesenktem Kopf vor dem Weißen Bison. All die Leidenden, Erster Mond, Erde. So wie sie fühlt sich die Einsicht hilflos und kraftlos.

Doch plötzlich spürt sie zwei Hände von hinten auf ihren Schultern. Sie lehnt sich an und kann wieder durchatmen.

Es ist die Stärke, die hinter ihr kniet. Die Stärke, die beim Auftreten der Tiere merkt, daß sie gebraucht wird und dadurch Kraft bekommt, gibt der Einsicht Kraft und Zuversicht.

Gemeinsam stehen die beiden auf. Der Mond des Neubeginns bittet um Unterstützung. Die Stärke spürt den Ruf dorthin und führt die Einsicht zum Ersten Mond, der zu Füßen von Element Erde liegt.

Die Stärke spricht zum Neubeginn: Steh auf!“ Doch dem Mond des Neubeginns fehlt noch die Kraft, sich aufzurichten.

Die Einsicht legt ihm die Hand auf das Herz, berührt ihn sanft und gibt ihm heilende Kräfte. Großmutter Mond, die Liebe und die Einsicht streicheln den Ersten Mond lange. Auch Element Erde sagt jetzt zu ihm, er solle nun aufstehen.

Doch der Mond des Neubeginns ist nur vorübergehend ruhiger geworden und beginnt, wieder zu wimmern. Deshalb versucht Großmutter Mond, soviel wie möglich von ihm zu umschließen. Doch das reicht nicht.

Der Erste Mond sagt: „Ich brauche alle“.


Das Element Feuer steht gleich zu Beginn in aufsteigenden Flammen, bewegter Freude und aufkeimender Kraft.

Als der Mond des Neubeginns am Boden liegt, hat das Element Feuer die Botschaft:

„Es braucht noch eine kurze Zeit der Reinigung der Erde und des Menschen, wahrscheinlich durch das Feuer.“


Das Element Luft ist die Freiheit. Niemand kann es sehen, noch kann es jemand halten.

Durch ihr Dasein strömt Kraft in alles Leben.

Das Element Luft ist verbunden mit ihren Geschwistern, dem Wasser, dem Feuer und dem Element Erde. Zusammen sind sie stark. Doch ihre Mutter, die Erde, leidet.

Die Unreinheit, die ihre Familie erträgt, ist groß und lastet schwer.

Jedoch in sich spürt das Element Luft den Kampf. Es ist noch nicht gewillt, sich der Verseuchung und Krankheit zu unterwerfen.

Es kämpft weiter, denn ihren Auftrag erhält sie nicht von hier.

Element Luft bringt Bewegung in die starren Gesetze der Menschen.

Ihr Geist weht über die Schwermut des Menschen.

Element Luft bringt Erleichterung, Neubeginne und Inspiration in ihre Gedanken.

Ihre Aufgabe ist es, alles Leben mit ihrer Energie zu erfüllen.

Die Botschaft des Elements Luft an den Menschen lautet:

„Laßt Eurem Geist Flügel wachsen und hört mein Lied, das Euch Ideen bringt.

Verwendet Eure Inspirationen und Erfindungen zur Heilung und Erhaltung unserer Mutter Erde.“


Element Luft will dem Menschen zuflüstern:

Wie der Wind könnt auch Ihr noch umdrehen.

Laßt Euch nicht einengen und behaltet die Leichtigkeit, damit ihr den Überblick bewahrt und so die Vollkommenheit der Schöpfung sehen könnt.“


Element Luft hat einen konstanten Drang, sich zu bewegen und ist direkt an eine gewaltige Energie-Tanksäule angeschlossen. Es hält sich nirgends lange auf und hat eine unwahrscheinliche Energie. Es läßt sich von den schweren Ereignissen einfach nicht herunterreißen. Es kann die Enge immer wieder fliehen und das Ganze mit weiterem Abstand betrachten.

So sagt das Element Luft zum Ersten Mond: „Beginne von Neuem“.


Element Feuer hat eine Botschaft für den Ersten Menschen:

„Seid wie die Kinder, rein, unvoreingenommen und spontan im Ausdruck und Eurem Handeln.“


Die Erleuchtung und das Vertrauen heben gleichzeitig an, etwas zu sagen, und verstummen gleichzeitig. So bleibt folgende Botschaft der Erleuchtung ungesagt:

„Du bist nie allein.“


Das Vertrauen umkreist Sonne, Erde und die Elemente und kommt auf die Erleuchtung zu. Unendliche Freude und das Gefühl innigster Verbundenheit durchfluten die Erleuchtung. Als sich die beiden umarmen, beginnt die Erleuchtung zu wachsen und bekommt Kraft und Größe. Sie fühlt sich jetzt als Säule aus Licht!

Das Vertrauen bewegt sich langsam auf die Tiere zu und gesellt sich zu den Kräften, die sich um den Mond der Erderneuerung versammeln. Die Erleuchtung findet das gut. Sie ist voller Anteilnahme für den Ersten Menschen.

Die Erleuchtung möchte die Weisheit, die rechts neben ihr kniet, bei der Hand nehmen.

Doch die Weisheit schaut auf den Ersten Mond, der am Boden liegt und, obwohl von vielen guten Kräften umgeben, noch sehr schwach ist. Die Weisheit geht auf ihn zu und berührt mit der rechten Hand sein Haupt. Dann steht die Weisheit auf. Die Liebe reicht der Weisheit ihre rechte Hand. Die anhaltende Traurigkeit der Weisheit löst sich und die beiden bilden mit den anderen Kräften einen kraftvollen Kreis um den Ersten Mond und den Ersten Menschen.

Die Weisheit hatte den Eindruck, daß alle irdischen und himmlischen Kräfte gemeinsam ihre Energien bündeln müssen, um die Erde mit dem Menschen in das Neue Zeitalter zu führen. Es geht nur schwer vorwärts.

Ganz langsam zieht es auch die Erleuchtung zum Geschehen um den Ersten Mond.
Als der Schöpfer den Grizzly zur Unterstützung des Ersten Menschen bittet, wird der Impuls des Zugehens für die Erleuchtung immer stärker.

Langsam nähert sie sich, doch bleibt sie außerhalb des Kreises. Ihr Platz ist zwischen der Liebe und der Weisheit. Mit weit ausgebreiteten Armen gibt die Erleuchtung von Herzen ihre ganze Kraft hinein, um sie mit allen anwesenden Kräften und Elementen zu vereinen. Neben der Erleuchtung steht mit ähnlicher Geste das Wachstum. Sie bilden den äußeren Ring. Zur rechten Zeit werden sie dazutreten.

Sanft, quasi über Nacht, werden sie dabei sein.

Erleuchtung braucht eine Weile das Wachstum – doch vor allem Vertrauen!


Das Wachstum befindet sich jetzt in der Mitte zwischen der Erleuchtung und der Erfahrung in einer Linie.

Eine starke, machtvolle Energie wächst dem Wachstum jetzt zu. Wachstum ist auf vielen, vielen Ebenen, nicht nur auf Mutter Erde, sondern im gesamten Kosmos vorbereitet.


Doch der Erste Mond des Neubeginns braucht weiterhin Unterstützung.

Während sich mehr und mehr Kräfte des Medizinrads dem Bereich von Weißem Bison, Tieren, Erstem Menschen und Erstem Mond nähern, läßt das Element Erde alle Kraft zum Ersten Mond fließen und wünscht sich , er möge wieder aufstehen.

Diejenigen Kräfte, die ihm am nächsten stehen, helfen dem Ersten Mond nun hoch auf die Beine. Er schaut sich mit immer noch recht schwerem, leiderfülltem Gesichtsausdruck um, sieht was um ihn herum alles passiert ist und nimmt schließlich den Hüter des Südens, den Kojoten, wahr.


Als der Erste Mond aufsteht, dreht sich die Einsicht zur Stärke um und umarmt sie. Die Einsicht braucht die Stärke. Andere stehen um sie herum. Alle umarmen sich. Es bildet sich ein Kreis. Der Erste Mond, das Element Erde, die Einsicht und die Stärke sind in der Mitte.

Alles ist miteinander verbunden, ganz dicht. Ein mächtiges Kraftfeld wirkt.


Stehend umarmt der Erste Mond Großmutter Mond fest. Eine Zeitlang bilden vier einen Kreis. Dann versammeln sich immer mehr Kräfte im Kreis. Damit kommt Bewegung hinein und auch Großmutter Mond fühlt sich auf angenehme Weise gehalten. Sie kann sich vom Blick und vom Gefühl her nun auch den anderen öffnen.


Des Schöpfers Auge schweift über das Ganze.


Vater Sonne steht von Anfang an unerhört kräftig, klar und stabil über seinem Platz. Vom Scheitel über Kopf, Rumpf, Beine und Füße fließt Energie vom Himmel zur Erde. Die Bindung der drei Gestirne, Sonne, Mond und Erde ist harmonisch. Klar spürt Vater Sonne die gemeinsame Rotation um einen Mittelpunkt.

Die Stabilität, die Kraft und die aufrechte Haltung erfährt Vater Sonne in großer Reinheit und Klarheit. Wärme und Glut entwickeln sich.

Nur die Worte der Hüter des Geistes und die von Mutter Erde berühren ganz fein die Mitte von Vater Sonne. Alle anderen Stimmen finden in seiner großen Reinheit, die auch Leere bedeutet, keinen Widerhall.

Vater Sonne spricht zum Ersten Menschen:

„Ehre den Schöpfer in Demut“


Sein Aufruf bewegt das System. Mutter Erde erhebt sich. Mutter Erde und Vater Sonne blicken sich erstmals in die Augen. Er geht zu ihr hin und behutsam umarmen sie sich.

Vater Sonne und Mutter Erde stehen da wie ein Paar. Die Liebe wird ganz weit und empfindet unendliche Freude, als sie zurückschaut und dieses Bild wahrnimmt.

Mit äußerer und innerer Distanz betrachtet Vater Sonne, was sich um den Ersten Menschen und den Mond des Neuanfangs abspielt.


Mutter Erde schaut anfangs umher und freut sich am Wind, der durch die Bäume weht.

Sie spricht mit dem Wind, der immer stärker wird:
“Ich rieche die gute Luft, atme sie tief in meine Lungen.
Die Felder und Wiesen so grün, saftig und voller Leben.

Die Blumen, sie blüh’n, so bunt sie sich zeigen, sich strecken und regen.

Der Himmel so blau, - die Wolken zieh’n,
Auf mir, Mutter Erde, ist’s wirklich schön.

Doch Mutter Erde wird schwer. Übelkeit steigt in ihr hoch.
Die Kraft geht verloren, die Knie werden weich.
Es schwinden die Sinne, das Bewußtsein entweicht.
Fast leblos sackt sie zusammen, das Atmen fällt ihr schwer.
Das Wasser ist schmutzig, die Luft ist verdreckt.

Aus Wasser entsteht das Leben, doch wie soll das gescheh’n

Bei so viel Schmutz und so viel Dreck und keiner will was geben.

Ich erleb‘ es nicht zum ersten Mal, was Menschen daraus machen.
Krieg und Tod, Haß und Not, - wie könnt ihr das ertragen?
Es ist doch alles voller Fülle, es ist doch alles da!
Kein Streit, - kein mehr, - kein leer, - kein Ringen.
Es reicht für jeden – immerdar.

Bruder Sonne gibt mir Kraft, läßt mich wieder aufersteh’n
Gegenseitig halten wir uns fest. Gemeinsam sind wir stark.
Doch als der Erste nur noch verlangt und erwartet, ist Mutter Erde Bruder Sonne’s Halt.

Der Erste will dieses, der Erste will jenes.
Der Erste braucht dieses, der Erste braucht jenes
Dann möcht‘ er gern dies und hätte gern das.
Dem Ersten reicht nicht, was er hat.

Es fehlt mir das bitten, nur fordern ist da.
Es fehlt mir die Demut, es ist leider wahr.

Der Mensch ist voll Hochmut, - glaubt das Höchste sei er,
Voll Habgier und Haß, greift er immer nach mehr.

Es schmerzt mich zu sehen, er lernt nicht dazu.
Er hat so viel Wissen, findet trotzdem keine Ruh‘.

Dabei wär’s so einfach, zu öffnen sein Herz,

Vielleicht muß er gehen durch großen Schmerz.
Doch was soll’s, wenn er dadurch zum Leben findet
und sich mit dem Großen und Ganzen verbindet.

Ein Leben zur Demut und Achtung zum Ganzen
Ein Leben zur Allmacht, dem Großen und Ganzen.
Das Wissen zu spüren – ganz tief im Herzen
Die Liebe zu leben – nie wieder mit Schmerzen.

Ja, - Wissen ist Macht - doch Liebe ist mächtig!!!
Wer sie spürt und lebt und zeigt und gibt,
kommt mit jedem Herzschlag dem Ursprung näher.“

Mit zunehmender Lösung der Anspannung um den Menschen wendet sich Vater Sonne wohlwollend dem Geschehen zu. Er ist bereit, sich Mensch und Tier zu nähern, doch Mutter Erde ermahnt ihn zu bleiben.


Der Hüter des Geistes im Osten, der Adler, hat von Anfang an einen scharfen Blick, einen klaren Verstand und einen weiten Geist.

Augen zum Himmel, in die Wolken, die leichten Windböen, die Rufe der Vögel. Der Adler versteht, was es bedeutet, Teil des großen Geistes zu sein und mit seiner eigenen Charakteristik seinen Teil zum Ganzen beizutragen.

Der Adler nimmt Verbindung auf zu den Hütern des Geistes im Süden, im Westen und im Norden. Kosmos und Seele. Die vier Hüter aber sind zusammen der immerwährende Geist, der alles zusammenhält, ohne den sich alles zerstreute.

Die Worte des Adlers sind die ersten, die im Medizinrad fallen. Er eröffnete die Aufstellung mit den Worten an alle: „Paßt auf und gebt gut acht.“

Die Worte der anderen berühren den Adler wenig, denn der Geist ist nur der Geist.

Als die ersten Monde und der Erste Mensch erscheinen, hat das für den Adler kaum Bedeutung. Sobald aber der Erste Mensch immer mehr und mehr forderte und die Entwicklung nicht vorankommen wollte, wird der Adler unruhig. Er kann dieses Zögern nicht begreifen. Mit der Zeit wächst die Unruhe. Er muß mehr und mehr mit den Flügeln schlagen und von einem Fuß auf den anderen steigen. So gerne würde er sich in die Lüfte erheben ... den Geist fliegen lassen.

Als der Erste Mensch nicht vorankommt,  kümmert sein Schicksal den Adler wenig. Es ist an ihm, weiß der Adler, voranzuschreiten oder umzukommen. Alles ist da. Er muß es nur tun. Die Fülle des ganzen Universums steht ihm zur Verfügung. Alles ist ein Geschenk für ihn. Unverständlich, daß er es nicht nimmt. Da gibt es keinen Platz für Mitleid, nur Ungeduld.


Der Hüter des Südens, der Kojote, wird am Anfang von einer unsäglichen Schwere erdrückt. Er verleiht seinem Wunsch und seiner Sorge durch die Worte Raum:

Zeigt Demut!“

Dann läßt er sich zu Boden sinken.

Auch der Kojote weiß: Alle Lebewesen brauchen einander und sie brauchen die Elemente, um auf Mutter Erde für Bestand und Dauerhaftigkeit, für Leben und Energie, für Glück und Sein zu ringen. Der Kojote spürt die Liebe zu allen Lebewesen. Diese Liebe treibt ihn an, das Wort immer wieder warnend zu erheben:

„Zeigt Demut und schützt Euch vor Überheblichkeit!“


Des Schöpfers Auge schweift weiterhin über das Ganze.


Der Schöpfer sagt zum Grizzly, indem er auf den Ersten Mond deutet:

Geh hin! Es beginnt klein. Dort wirst Du gebraucht.“

Zunächst widerwillig, dann doch einsichtig, geht der Grizzly zum Ersten Mond, wo sich die anderen schon eingefunden haben. Von Westen gibt er dort Stärke.


Der Erste Mond wünscht sich, noch unsicher auf den Beinen, auch den Kojoten zu sich.

Auf einen Wink des Schöpfers kommt der Kojote heran, bleibt aber am äußeren Kreis stehen. Erst auf die Aufforderung des Elements Erde tritt er ganz zum Ersten Mond.


Der Hüter des Geistes im Norden, der Weiße Bison, an dessen linken Seite sich der Keim der Erderneuerung gebildet hat, fließt und wirkt einfach. Es durchfließen und durchrütteln ihn starke Energien, die sich nach und nach freiere Bahn schaffen, manchmal sanft und zart, dann wieder heftig und wild.

Die Geschehnisse lassen den Weißen Bison zunächst mehr oder weniger unbeteiligt. Er hat einfach eine Aufgabe zu erfüllen. Erst als die Tiere neben dem Weißen Bison stehen, kommt tiefe Sympathie in ihm auf und er schaut warm und zärtlich auf ihre Unschuld und ihr Ringen um das Vertrauen zu den Menschen wegen der neuerlichen Vertragsunterzeichnung zwischen den Menschen und den Tieren.

Die anderen Wächter, den Adler, den Kojoten und den Bären weiß der Weiße Bison als Brüder und berührt den vorbeigehenden Grizzly sachte an der Schulter als Gruß.


Jetzt ruft der Schöpfer auch den Weißen Bison ins Geschehen des Neubeginns. Der Weiße Bison gehorcht gerne, denn die Energie bleibt mit ihm und fließt jetzt sanft als Nachschub, der noch gebraucht wird. Der Weiße Bison fühlt, daß sich allgemeine Herznähe und Zusammengehörigkeit im Kreis der Schöpfung breitmachen. Er empfindet: So muß und wird es sein – Harmonie.


Nun kann es beginnen:


Der Schöpfer gebietet Vater Sonne:


Scheine“.


Vater Sonne tritt einen Schritt von Mutter Erde weg und breitet die Arme. Als er seine Arme erhebt, bricht die Sonne vollends durch die Wolken. Licht und Wärme wirken belebend.

„Geh ruhig zurück zur Erde“, sagt ihm der Schöpfer. „Ihr gehört zusammen“. Vater Sonne tritt nun mit ausgebreiteten Armen wieder an die Seite von Mutter Erde.


Der Schöpfer schaut auf den Hüter des Geistes im Osten, den Adler, und gebietet ihm mit einer weiten Handbewegung:


Steige“.


Der Adler steigt mit innerer Berührung und ausgebreiteten Schwingen.

Dankbar, sich endlich bewegen zu können, nimmt der Adler seinen Platz in der großen Gruppe ein, die sich um den Ersten Menschen gebildet hat, und gibt ihm jetzt auch seinen Segen.

Der Kreis schließt sich nun. Alle Anwesenden (außer dem Schöpfer, Mutter Erde und Vater Sonne) kommen mehr und mehr im kleinen Kreis zusammen und umarmen sich, halten sich, verbinden sich, rücken immer weiter zusammen, sich gegenseitig stützend, nährend verbindend.


Eine Erlösung findet statt, aber noch nicht ganz. Einiges scheint noch ungelöst im Raum zu stehen, auch der Erste Mond trägt noch etwas mit sich, aber ein großer Schritt auf Heilung und Erlösung hin scheint vollzogen, scheint Türen zu öffnen und Wege zu ebnen für das, was vielleicht noch fehlt und sich nun vorbereiten kann.


Trotz dem schönen Gefühl der Verbundenheit mit den anderen, als alle eng im Kreis stehen, ist den Tieren klar:

Der Erste Mensch braucht noch viele Erkenntnisse, um sich wandeln zu können:

„Demut – Dankbarkeit – Ehrfurcht – Vertrauen in das Höhere, erst dann  ...“


Ein Knie von Großmutter Mond beginnt zu zittern.


Jemand sagt: Der Mensch darf nicht überheblich werden.“


Der Schöpfer spricht: Erhebet die Herzen.“


Das ist das Schlußwort.

              

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DR. MED. KARL-HEINZ RAUSCHER

Wir gehören alle zusammen