DER FRIEDENSENGEL

Komödie in bayerischer Mundart


Leseprobe


Erster Akt



1. Szene:


Der Heilige Petrus sitzt in seinem Himmelskontor. Durch große Fenster sieht man draußen den weißblauen Himmel und im Hintergrund Engelchen auf den Wolken musizieren. Petrus mit langem weißen Bart und Haar, angetan mit wallenden, goldverbrämten Gewändern. Er ist damit beschäftigt, an einem Stehpult die Weltbevölkerung nachzurechnen.


PETRUS: Wos is iatz dees? Dees gibt’s ja gor ned! Do fehl’n ja drei Stück. (unmutig) Aach, scheiß Computer. Er blickt wie gebannt auf seinen Computer. Unwillig: Iatz mog i nimma. Er geht zu einem großen Schreibtisch und drückt auf die Taste einer Gegensprechanlage. Du, Kathi, schick ma doch glei amoi noch dem oana, wia hoaßt a glei wieda, den ... ja, wia hoaßt der oane Engel, der neie, der erscht aufakema is ... Ja, der mit de Computer der ... ja genau ... Amanissimus ja, den schickst ma her, glei, mir gengan do drei Leit ob. Ah ... Ja, soi glei kemma. Er atmet schwer und lehnt sich mit einem Stoßseufzer in einen breiten Sessel zurück. Wie zu sich selbst spricht er: Wia ma no oiß mit da Hent und mit’n Bleistift ausg’rechnet ham, da is dees nia vorkema. Ja, oamoi, aber dees war koa Rechenfehler, do hod wirklich oana g’fehlt. Drei Wocha hamma braucht, bis ma dees rausg’fundn ham. Na ja.

Er steht auf und geht auf die halbrunde Balustrade, die die Bühne vom Zuschauerraum trennt und schaut mit einem dort fest installierten Fernrohr hinab. Dabei wie zu sich selbst: Wos nei’s gibt’s zwar ned auf dera Welt, aber manchmal schau i no obe, wenn’s ma langweilig is. Er sucht mit genauen Blicken. Mei, dees is schee. Do wird grad an neis Kindal geborn. Mit einem Seufzer: Vom Vater weid und breit nix zum sehn. Läßt das Fernrohr weiterwandern. Do, wos is’n dees? Laut und unwillig: Ja kann i denn ned amoi a oanzige Minut’n obeschau, bevor oana an andern umbringt. Na, des verdleid’s ma oiwei wieda. Do schau i liaba auf’s Weißbräu obe. Sucht. Wos? Hamms do scho Weißwiascht? Dann muaß’s scho elfe sei? Er geht zurück zum Schreibtisch und betätigt wieder die Gegensprechanlage.

Kathi, wo bleibt’n da Amanissimus? Mmh. Bring doch dawei meine Weißwiascht und a Hoibe Weißß. Er geht zurück zum Fernrohr und schaut wieder hinunter. Ja, mechans iatz do wieda an Kriag o’fanga oder wos? Aiso dene is nimma zum helfa. Dees is owei s’selbe. Es ändert se nix auf da Welt. Wia lang daß i iatz do scho obeschau, und owei s’selbe. Dann erhellt sich sein Gesicht. Guat, daß ma da Chef letzt’s Weihnachten de Zeitmaschin’ für’s Fernrohr g’schenkt hod. Seitdem weich i oft in frühere Zeit’n aus. Iatz loß amoi schaun. Er setzt sich umständlich eine Brille auf, dreht an einem kleinen Rädchen und liest: 4000 vor Christi. Schaut wieder durch das Fernrohr. Desselbe, do schlong’s aa aufanander ei. De Ägypter. Macht einen Schwenk nach schräg links oben. In da Gegend vo Münchn is nix zum sehn, bloß Baam, lauter Woid. Er dreht nochmals an der Jahreszahlschraube. 10.000, 20.000. Dees g’langt no ned. Eine Million vor Christus. Schaut hinunter. Mit einem Seufzer der Erleichterung. Mei is dees schee. Eine von Menschenhand unberührte Landschaft. Do iß’s ja wia im Himme.

Die Tür geht auf. Katharina kommt herein in einem prächtigen Dirndl, etwa 30 Jahre alt, lange dunkle Haare, gut Holz vor der Hütte. Sie bringt die Weißwürste und das Weißbier.


KATHARINA: Heiliger Petrus, i bring d’Weißwiascht. Wo soll i’s hi’stell’n?


PETRUS: Iatz loß amoi dees Heilige weg. Mia samma doch unta uns. Z’mindest wenn koa Fremda ned do is. Sog einfach Petrus zu mia.


KATHARINA: Jawohl, Heiliger Pet.. ah ah Petrus. Wo soll’n d’Weißwiascht hi?


PETRUS: Stell’s ma auf’n Ecktisch hinte. Ahh, dees Weißbier schaugt guad aus. ... Wos is’n iatz mim Amanissimus?


KATHARINA: Der is no in da Wedavorausplanung. Do is da Computa obg’stürzt. Aber er kimmt glei, hod a g’sogt. Katharina dreht sich um und will gehen. Aber


PETRUS: Kathe, bleib no an Moment do. I mecht da wos zoag’n. Mechst amoi wos scheens sehn?


KATHARINA: Ja, freile.


PETRUS: Petrus hat auf der Eckbank Platz genommen und macht sich an den Weißwürsten zu schaffen. Do geh hi ans Fernglos und schau amoa oibe auf de bucklad Welt, daß’d wos segst.


KATHARINA: Schaut durchs Fernglas. Wo san denn de ganz’n Leit? Ich seg koan oanzig’n Menschen.


PETRUS: Dees is’s ja grod. Ha, ha, ha, dees is’s ja grod. Fallt dir sonst nix auf?


KATHARINA: Doch, vui Woid, und irgendwie so klar, und ganz warm wird ma ums Herz und aa a bisl unheimlich wird’s ma. Aba wo sand’n de ganz’n Leit?


PETRUS: Woaßt, Kathe, du schaust iatz nämlich ins Jahr 1 Million vor Christi Geburt. Do hod’s no koa Mensch’n ned geb’n. Schmunzelnd nimmt Petrus seine Halbe Weißbier zur Hand und tut einen tiefen Zug. In diesem Moment hört man schnelle Schritte sich nähern. Amanissimus tritt ein.


AMANISSIMUS: Dunkelhaarig, dünn, großgewachsen, eine jugendliche Gestalt, mit großem Elan auftretend. Griaß Gott beinand. Petrus, tuad ma Leid, daß’s so lang dauert hod. Aber i kimm grad von da Wedavorausplanung. Da Computer is obg’stürzt. I vermut, daß a Virus drin is.


PETRUS: Ja, wia gibt’s denn dees. De himmlischen Sphären san doch obg’sichert.


AMANISSIMUS: Ja, normal scho. Aber vielleicht hod oana von de Wedafresch, weils eam z’langweilig war, schwoaz a neis Computerg’schpui aufag’hoid und an unsere Kontroll’n vobeig’schmuggelt.


PETRUS: Wia soll a denn dees g’macht hom? Dee deafan ja gor ned obe.


AMANISSIMUS: Ja, aber vielleicht hamm’s an Mittelsmo.


PETRUS: Schaut streng. Wen?


AMANISSIMUS: Druckt ein bißchen herum. Vielleicht an ... Boandlkramer.


PETRUS: Aufgebracht, bestürzt. Wos, der scho wieda. Hod der s’Sauffa wieda og’fangt?


AMANISSIMUS: Na, dees is iatz bloß amoi a so a Gedanke. Bewies’n is ja no gor nix. Vielleicht stellt se a wos ganz anders außa.


PETRUS: Des mecht i an Boandlkrama aa g’rat’n hom. Sunst kimmd a glei wieda sechs Wocha auf Entzug. Dann konna danoch wieda schaun, wiar’a mit da Arbat fertig wird. Iatz sitz de du amoi hi. Mogst aa Weißwiascht?


AMANISSIMUS: Zeit hobe eigentlich koane. Aber meng dade scho.


PETRUS: Kathe, reiß de wieda los vo dem scheena Anblick und bring an Amanissimus zwoa Poor, ah, bring eahm drei Poor Weißwiascht. Der is no so unhimmlisch schlank, und a Hoabe Weißß, oder? Amanissimus nickt. Katharina ab. Amanissimus setzt sich Petrus gegenüber.


AMANISSIMUS: Warum host me denn hoin lass’n, Petrus, gibt’s Schwierigkeiten mit deina Anlag?


PETRUS: Bei da Berechnung vom gestrigen Stand der Erdbevölkerung gengan ma drei ob. I hob’s im Computer hin und her draht, und a poormoi nochg’rechnet, aber ... i woiß ned, warum hod ma dees Computerzeigl überhaupt ei’führn miass’n. I blick do nimma durch. Deswegn hob i iatz di hol’n lassn, damit du ois Spezialist nochschaust. Denn dees miaß ma no rausbringe heid, ob do fürn gestrigen Tag wirklich no drei fehl’n. Oiwei bis zum Dienstschluß vom nächsten Tag muaß de Bilanz stimma. Sunst kimmt uns no oana aus. Weil wenn se dees erst in da Jahresabrechnung außastellt, kemma den lang in den niederen Gefilden suacha, wenn ma’n dann überhaupt no find’n.


AMANISSIMUS: Wos war gestern für a Datum? Er zieht einen Taschenkalender heraus.


PETRUS: wie selbstverständlich Ja, Bundesligaspieltag, Samstag, der 13. Mai.


AMANISSIMUS: Naa, naa, er schaut in den Kalender und steckt ihn dann wieder ein, am Freitag war da dreizehnte. Iatz hamma nämlich wieder an Freitag den dreizehnten g’habt. An dem nämlichen Tag is ja aa da Hauptcomputer von da Wedavorausplanung obg’stürzt. Gestern war oiso Samstag, da 14. Mai.


PETRUS: Soist recht hom, Amanissimus. I kim in da letzten Zeit mi’m Datum öfter durchanand. Dees macht des Alter. Na ja, dafür hod ma andere Qualitäten. Er nimmt einen tiefen Zug aus seinem Weißbierglas und stellt das Glas mit einem lustvollen Seufzer ab.


AMANISSIMUS: Dees muaß i genau wissen. So lang bin i ja no ned do herom. Wia kemmt’s ihr auf de Bilanz.


PETRUS: Aiso, dees is aso. Wenn unten oana stirbt, dann werd dees um Punkt Mitternacht vom Boandlkramer herom g’meldt. Bis zum nächsten Tag in da Früa muaß dann a jeder, der storb’m is, herom eing’laufa sei. Bis dahin hod a jeda no g’nua Zeit, daß er se von da Erd verabschied’t, die Angehörigen no zuaschaut, wia’s woanan, oder wos er sunst no vielleicht zum Erledigen hod. Aba bis zum nächsten Tag in da Früa muaß a do sei. Dann kon’s Vorzimmer am Vormittag de Bilanz macha und vor meina Weißwurstbrotzeit mach i de Kontrolle. Und heid fehl’n ma einfach drei. Es san drei zweng aufa kemma.

Mia schaug’n do genau drauf. Do gibt’s nämlich welche, mit gewichtiger Miene de dad’n gern unten bleib’m, dadn’se unten obanadtreib’m, do no a weng mitmacha und do no a weng mitmisch’n. Und genau dees is uns z’gfährlich, vor allem weil de ja no ned durch de himmlische Läuterung ganga san. De dad’n oiß mögliche o’stell’n, aus Rachsucht oder aus andern menschlichen Empfindungen raus. Dees deaf’ma auf koan Fall zualass’n, sunst keman de andern, de Schwoaz’n, schnappan’s uns weg und durchkreiz’n den himmlischen Plan, daß jeda Mensch in’n Himme kemma soi. Früha, wo ma do no lascha war’n, is dees oft g’nua passiert. Katharina bringt jetzt die Weißwürste und das Weißbier für Amanissimus.


KATHARINA: Bitt’schön. Loß’nses Eahna schmecka.


AMANISSIMUS: Dank schön.


PETRUS: Du Kathe, gibt’s irgendwos b’sonders, b’sondere Vorgäng’, host irgendwos außergewöhlichs g’hört, is wos g’meldt wor’n außerhalb da Routine?


KATHARINA: Naa. Denkt nach. Außer vielleicht, daß da Engl Aloisius no ned aufakemma is, weil a owei no im Hofbräuhaus sitzt.


PETRUS: Ja, dees brauchst ma ned vazähl’n. Der kimmt nimma. Zu Amanissimus Der hod uns damals einiges an Schwierigkeit’n g’macht. Dees war a G’frett, bis ma damois de Bilanz wieda hig’richt ham. Wieda zu Katharina. Sunst gibt’s nix neis?


KATHARINA: Naa, sunst war nix b’sonders. ... Doch, iatz fallt’s ma wos ei. I hob wos g’hört, daß a Schreib’n vo ganz ob’m zu uns unterwegs is.


PETRUS: aufgeregt Vo ganz ob’m? Dees war scho lang nimma do. Dees muaß wos b’sonders sei. Petrus wiegt den Kopf bedeutungsvoll hin und her. Wenn der Briaf do is, Kathe, dann bringst’n glei rei. Do bin i neigierig, wos dees is. Petrus trinkt jetzt den Rest seiner Halbe ganz aus.


KATHARINA: Ja, freile bring’en glei eina, sofort. Katharina ab.


AMANISSIMUS: geheimnisvoll Petrus, wenn iatz dees koa Rechenfehla is, an wos konns’n dann lieg’n? Dees wird ja heit ned’s erste Mal sei, daß sowos passiert.


PETRUS: Ja, Rechenfella san früher öfter amoi g’wen. In de letzten Jahrzehnte is aber, wenn ma vom Fall Aloisius  und vom Boandlkramer sei’m damaligen Alkoholrückfall abseh’ng, in dem Bereich nix mehr vorkemma.


AMANISSIMUS: In wos für’an Land gengan denn de drei Leit ab?


PETRUS: In de andern Erdteil’ geht oiß auf. De Unregelmäßigkeit’n san wieder amoi im bayrischen Subkontinent auftret’n. Dees muaß a Rechenfella sei ... er kratzt sich nachdenklich hinter dem Ohr. Wenn’s allerdings koa Fella ned is, dann is schlechta. I wissat ned, wia dees heit no sei ko, daß oana ned auffafind, wo ma doch oiß unter Kontrolle ham, seit da Chef an groß’n Lauschangriff genehmigt hod. Freile, früher is dees scho amoi vorkemma, wo’s de Drakula no geb’n hod. Wann is da letzte ausg’storb’m? Aiso, wenn ma dees beim Drakula so sog’n ko, ha, ha. Dees deafat oiwei scho 150 Jahr her sei. I moan, Bayern war vorher scho amoi drakulafreie Zone. Mit’m Napoloen hod se aber dann no oana einag’schlicha. Vo Paris uma is dea kemma, da hams de selln no länga trieb’m. Dees scheid’t scho amoi aus. Aber bevor ma do no weidared’n, schau doch du amoi ei in’n Computer, du ois Spezialist. Vielleicht is’s ja wirklich a Rechenfella. I trau dem neimodisch’n Zeig ned.

Amanissimus, der interessiert zugehört hat, steht auf, geht zum Computer und setzt sich. Petrus folgt ihm, noch mit einer halben Breze in der Hand, und schaut ihm über die Schulter. Amanissimus hantiert mit der Maus. In diesem Moment großes Getöse im Vorraum. Man hört die Stimme Katharinas.


KATHARINA: Ja natürlich Exzellenz. Ja, ja, der Heilige Petrus wartet schon. Die Tür geht auf und eine leuchtende Gestalt mit breiten Flügeln schreitet herein. Er hält einen großen, mit einem roten Siegel verschlossenen Brief in der Hand. Es ist der


ERZENGEL MICHAEL: in breitestem Bayrisch. Ja, Petrus, grüaß de Good, iatz hamma uns scho lang nimma g’segn.


PETRUS: Grüaß de Good, Michael. Dees g’freid me aber, daß du wieda amoi vobeikimmst. Wo bist’n oiwei?


ERZENGEL MICHAEL: Mia hamm derzeit so vui zum doa. De Vorgäng auf da Erd’n kemman mia recht g’spaßig für. Do braut se derzeit wos zamm. Dees kannt wos Größa’s wer’n.


PETRUS: nachdenklich, nickt zustimmend. Hod der Briaf damit wos z’doa?


ERZENGEL MICHAEL: Ja, der Briaf, wega dem kimm’i. Dees is a wichtige Chefsach’. Du sollst’n aa glei aufmacha. Dees pressiert. Er übergibt Petrus den Brief. Amanissimus dreht sich um. Petrus betrachtet ehrfürchtig das göttliche Siegel, geht zum Schreibtisch und öffnet mit dem Brieföffner umständlich den Brief. Katharina tritt neugierig in die offene Tür.

 

PETRUS: liest.

Liebster Petrus,

der Frieden auf Erden ist in Gefahr. Wir haben uns deshalb entschlossen, einen Friedensengel auf die Erde zu schicken, damit Schlimmes verhindert wird und Unser Wille auch unter den Menschen geschehe.

Diesem Friedensengel ist jegliche himmlische Unterstützung zu gewähren. Petrus, ich habe Dich auserkoren, die nötige Ausbildung des Friedensengels zu übernehmen. Insbesondere bitte ich Dich, ihm die menschliche Natur zu erklären und nahezubringen. Betone auch die Wichtigkeit des freien menschlichen Willens, den er auf keinen Fall antasten darf. Ich lege diese Aufgabe in Deine Hände, weil Du selbst einmal Mensch warst, und Dir die menschliche Natur durch Deinen Dienst an der Pforte des Himmelreiches durch Anschauung auch in den letzten zweitausend Jahren nahe geblieben ist.

Du hast freie Hand bei der Wahl der Helfer. Für die Ausbildung des Friedensengels hast Du drei Tage Zeit. Dann beginnt seine Mission.

Den Erzengel Michael benütze wie immer als Bote, wenn Du weitere Weisung brauchst.


Es grüßt Dich


Dein Gott


Stille. Erzengel Michael blickt mittlerweile streng und mit herabgezogenen Mundwinkeln zu Petrus hin, der immer noch in den Brief schaut.


KATHARINA: geht einen halben Schritt vor. Ehrfürchtig. Da Friedensengel.


AMANISSIMUS: steht auf, himmelt Erzengel Michael an. Erfreut, irgendwie erleichtert zu Michael. Da Friedensengel!


PETRUS: blickt vom Brief auf, fragend zu Michael. Mein Gott, wia soll i denn an Friedensengel ausbilden? Dees letzte Moi hod’s so oan vor a por tausend Jor geb’m. Do war i no selba auf da Erd’n unten. Wer is’n der Engel, kennst’n du?


ERZENGEL MICHAEL: Ja freile kenn’en. Dees is a Ausg’suachta.  No ziemle jung is a und a b’sondera Schützling vo ganz ob’n. Aber wos red i lang, i hob’n ja mitbracht. Drauß’n woat a. Es is ja koa Zeit ned zum valiern.


KATHARINA: Mit kindlicher Freude. Da Friedensengel. Ab.


Der Computer piepst.


AMANISSIMUS: schaut auf den Bildschirm. Dreht sich wieder zu Petrus. Iatz hob es. A Rechenfehler is koana. Es fai’n wirklich drei. I hob sogar de Namen.


PETRUS: aufgeregt. Wer is?


AMANISSIMUS: liest. Da Müllner Hans, sei Frau Elfriede und des Kind vo de zwoa, de Hanni, wohnhaft im Münchner Süden.


PETRUS: erschrocken. Au weh, dann hod’s da Deife g’hoid. Sinkt entmutigt etwas in sich zusammen.


ERZENGEL MICHAEL: richtet sich zu voller Größe auf und bekommt ein strenges Gesicht. Dees gibt’s ned, dees hätt i g’spürt. Er geht zum vorderen Bühnenrand und schaut mit bloßem Auge hinunter auf die Erde (in den Zuschauerraum), dann wie zu sich selbst. Wo is a?


PETRUS: richtet sich wieder auf und während er auch nach vorne geht. Wer?


ERZENGEL MICHAEL: Da Deife natürlich. Er schaut suchend hinunter. Aha, hob’en scho! Er blickt nun wie mit Feueraugen auf eine bestimmte Stelle.


AMANISSIMUS: ist längst aufgestanden und schaut jetzt neugierig und auch ängstlich über die Schulter Michaels hinab. Ungläubig. Da Deife?


PETRUS: eilt zum Fernrohr


ERZENGEL MICHAEL: ohne seinen Blick zu wenden. Ees braucht’s gor ned schaug’n. Den seg’ds ees ned. Den kemma bloß mia obern Engel sehn’g. Die Spannung steigt. Er schaut weiterhin auf die bestimmte Stelle. Dabei nimmt nun sein Gesicht ein zufriedenes Lächeln voller Genugtuung an. Iatz hob’en. Is no nix passiert, ... obwohl er se scho in da Näh von de drei obananda g’schlicha hod. ... Dees is ja wieda amoi typisch: Iatz duada, wie wenn a mit dem all’n nix zum doa hätt.


PETRUS: Und wos is mit de drei Menschen?


ERZENGEL MICHAEL: De leb’n no. De kannst’ da selba o’schaug’n. Guat geht’s dene ned.


KATHARINA: tritt ein. Da Friedensengel is do. Petrus und Amanissimus drehen sich zur Tür. Michael macht zum Teufel runter eine bestimmende Kopfbewegung, die bedeuten soll „verschwinde“, und dreht sich dann auch zur Tür. Herein tritt ein junger Mensch, groß gewachsen, fast zwei Meter, schlank mit leuchtenden, blauen Augen und dunkelbraunem Schneckelhaar. Er macht einen zurückhaltenden, dabei freundlichen Eindruck.


ERZENGEL MICHAEL: Petrus, deaf’e vorstell’n, dees is da Engel des Friedens. Zum Friedensengel gewandt. Und dees is da Petrus, dei Lehrer, der di auf dei Mission vorbereiten werd.


FRIEDENSENGEL: fast schüchtern. Griaß Gott beinand.


PETRUS: Griaß de. Sie geben sich die Hand. Petrus mustert den Friedensengel einige Augenblicke. Koa schlechta Engel. Respekt! Wahrscheinlich kimmst vo weit her. Väterlich. Mogst a por Weißwiascht, es is no ned zwölfe?


FRIEDENSENGEL: Na, dankschön. Do, wo i herkim, braucht ma nix zum Essen.


PETRUS: Ja, aber a Hoabe Weißß weaßt doch dringa, de schod’da nix.


FRIEDENSENGEL: Na, dankschön. Do, wo i herkim, braucht ma nix zum Dringa.


PETRUS: Halb zu Michael, halb zum Publikum. Auh weh, dees werd a Arbat wer’n, bis i dem die menschliche Natur beibracht hob.



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DR. MED. KARL-HEINZ RAUSCHER

Wir gehören alle zusammen